200 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

koloristischen Historismus, wie ihn nunmehr namentlich Delaroche
vertrat.
Es war ein Aufschwung, der bei dem Umstande, daß das
innere Deutschland den künstlerischen Zusammenhang mit
Flandern niemals ganz aufgegeben hatte, bald auch am Rhein
bekannt wurde. Bei weitem tiefer und weiter aber griff auf
deutschem Boden die Wirkung, welche die Hauptbilder Gallaits
und Biefves, „Abdankung Karls V.“ und „Kompromiß des
niederländischen Adels“, ausübten, als sie seit dem Jahre 1842
in den wichtigsten deutschen Kunststädten — in Berlin neben dem
„Christus in der Vorhölle“ von Cornelius — zur Ausstellung
gelangten.
Bis dahin waren Originalschöpfungen der neueren franzö⸗
sischen und vlämischen Malerei in Deutschland überhaupt kaum
gesehen worden, so sehr man durch übertreibende Berichte
Heinrich Heines über den Pariser Salon auf sie aufmerksam
geworden war. Jetzt schaute man diese Werke der Vlamen:;
und erreicht schien in ihnen, wonach man sich selber sehnte.
Kolorismus vor allem, das war es, worauf man hinaus wollte;
und das Wort König Ludwigs von Bayern „Der Maler muß
malen können“ wurde eine Zeitlang zum Feldgeschrei. Kolorismus
aber besonders auf dem Gebiete, dem aller höherer geistiger
Intellektualismus zudrängte, im Reich der Historie und des
Historienbildes: und damit ein Kolorismus, den man sich un⸗
eingestanden auch selbst immer historisch, als einen Kolorismus
also der alten Meister, anfangs namentlich der Vlamen, später
vornehmlich auch der Venetianer, dachte.
Da aber die äußeren Anregungen in dieser Richtung aus
dem Westen kamen, so war es natürlich, daß sie vor allem bei
den Malern am Rhein, den Düsseldorfern, Aufnahme fanden.
Das galt zunächst von dem in Düsseldorf arbeitenden Halb—
amerikaner Emanuel Leutze, dessen „Ubergang Wellingtons über
den Delaware“ noch heute jedem Bürger der Union teuer ist,
und der wohl von vornherein auch in Kenntnis wenigstens
von Stichen der Bilder Wests und Copleys geschaffen hat.
Das galt noch mehr von dem Düsseldorfer Lessing. Denn