Voller Realismus.

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mehr bald minder warmen Tone, zumeist Braun, durch und
beließ die Farbe wesentlich nur für die Lichtseite. Es war
eine im Grunde aus der Technik der Rubens und Rembrandt
abgeleitete konventionelle Monochromie, deren Wirkung eigentlich
nur dekorativ sein konnte.—
Unter diesen Umständen bedurfte es, um einen wahrhaften
deutschen Kolorismus zu entwickeln, mochte auch er vorderhand
pvieder noch konventionelle und historische Züge aufweisen, vor
allem einer mehr eingeborenen Schulung. Und da bezeichnet
es denn die geschichtliche Stellung der seit Mitte der fünfziger
Jahre wieder emporkommenden Münchener Akademie, daß sie
den Schritt zu einer solchen Schulung am entschiedensten getan
hat. Zu Hilfe kam ihr dabei, daß in dieser Zeit schon eine
etwas volkstümlichere Auffassung der Kunst erwacht war, daß
man die Kunstübung nicht mehr als eine auf das Vergnügen
weniger ausschließlicher Kreise gerichtete Tätigkeit, sondern als
eine notwendige Lebensäußerung der Nationen anzusehen begann
und demgemäß alte Kunst überhaupt mehr zu schätzen, aus
hren Verstecken herauszuholen und eingehend zu betrachten
anfing. Ein solches Studium, das, wenn die Betrachtung
rxgendeiner gewordenen Kunst überhaupt, noch am ehesten neue
Züge auslösen mußte, war aber in München bei dem großen
Reichtum der dort aufgehäuften Galerieschätze besonders leicht
möglich. Dazu kam zugunsten der bayerischen Hauptstadt ein
Weiteres, vielleicht noch Wichtigeres. In München fand sich um
diese Zeit ein Lehrer ein, der die Möglichkeiten neuer Auffassung,
die in den geschilderten Verhältnissen lagen, zur Wirklichkeit
zu formen verstand, Piloty (1826—86). Piloty, der auch mit
den Errungenschaften der westlichen Malerei bekannt war, war
kein Künstler von großer Originalität; seine Historienbilder,
die „Gründung der Liga“ (18534), „Seni vor Wallensteins
Leiche“ (1855), „Kolumbus Land erblickend“, „Galilei im Ge—
fängnis“ und andere hinab bis zum „Triumph des Germanikus“
(1873) sind theatralisch und in manchem matter Abklatsch der
venetianischen Malerei guter Zeiten. Aber er war ein guter
Techniker; er beobachtete die Natur auf bestimmte Lichtwirkungen