Voller Realismus.

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dielleicht freieste Grundlage einer doch immer noch die Ver—
zangenheit wiederholenden und darum auch vom rein malerischen
Standpunkte aus historisch begrenzten Kunst.
Stand nun aber eine solche Kunstübung im Mittelpunkte
der gesamten Entwicklung, so begreift es sich, wie sehr sie die
Fortbildung derjenigen Gebiete der Malerei aufhalten, ja ver⸗
hindern mußte, in denen es sich am leichtesten zu Entdeckungen
und freien Fortschritten nur an der Hand der Natur gelangen
ließ. Diese Gebiete waren vornehmlich die der Landschafts⸗
malerei und des größeren, in weitere Räume verlegten
Sittenbildes, bis zu einem gewissen Grade auch noch die des
Porträts.
In der Landschaft war man aus jener ersten Periode des
schüchternen Düsseldorfer Kolorismus, die wir früher kennen
gelernt haben!, rasch herausgetreten und hatte sich umfassenderen
Problemen des Lichts, der Luft, der Farbe genähert. Vor—
wärtstreibend hatte sich dabei vornehmlich auch der Einfluß
erwiesen, der von den nordischen Künstlern ausging, die im
dritten und vierten Jahrzehnt von Norwegen, Kopenhagen,
Hamburg aus im inneren Deutschland einwirkten: von Dahl
in Dresden, Morgenstern in München, Gurlitt in Düsseldorf.
Sie hatten, wie der Schlesier Lessing, der in Düsseldorf groß
geworden war, von der Romantik abgeführt hinein in ein
energisches realistisches Studium der Natur. Durch Gurlitt
war dann Andreas Achenbach angeregt worden; 1839 war er
nach Norwegen gegangen und hatte die fremde Natur seinem
technischen Können unterzwungen, ein ganzer Realist, kühl
und der Wiedergabe des objektiven Stimmungsgehaltes noch
fern, aber geschickt in der Wahl der Motive, auf bildmäßige
Wirkung ausgehend, und darum freilich bald schablonenmäßig
und Kopist eigener Produkte. Von Achenbach aber gingen
dann starke Wirkungen auf jüngere Norweger aus, so auf
Knud Baade, der seit 1842 in München arbeitete, und auf

S. Bd. X S. 276.