206 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

Hans Gude, den „Calame des Nordens“, der 1841 nach Düssel—
dorf gekommen war.
In München war der am schärfsten vorwärtsschreitende
Schüler Morgensterns Eduard Schleich gewesen. Bei ihm
traten schon leise Übergänge zu der späteren Landschaft der
freien Luft hervor. Das Wesentliche seiner Kunst aber war
das Studium der wallenden und wechselnden Elemente der
Landschaft, wenn auch noch nicht im völlig natürlichen Lichte:
der Wolkengebilde, der Regendünste und des Nebels, der feinen
Schwaden des Sonnenlichts vornehmlich auf der bayerischen
Hochebene. So waren ihm Herbst- und Regen-, auch Mondschein—
landschaften Gegenstände der liebsten Einkehr; und leise näherte
er sich den Problemen, die in Frankreich die Meister von
Barbizon, nur in ganz anderem Umfang bewegten.
Diese schönen Anfänge einer realistischen Landschaftskunst,
die sehr bald zu den Problemen des Impressionismus hätten
führen müssen, wurden aber unter dem lähmenden Einflusse der
Historienmalerei, wie sie noch an erster Stelle die Kunst der
Alten nachahmte, bald nicht mehr fortgebildet: an ihrer Stelle
kam eine Landschaftsmalerei auf, die eine Behandlung der
Landschaft nach Analogie des Historienbildes versuchte. Gewiß
gab es dabei Künstler, die dennoch weiterstrebten; bei dem
Berliner Blechen blitzt gelegentlich etwas wie Freiluft hin—
durch; und Jüngere wie Wenglein oder Baisch oder von Boch⸗
mann durchschnitten wohl auch die engen Zirkel der regulären
historischen Braunmalerei. Im ganzen aber sahen die Meister
dieser Entwicklungsphase die Natur doch vornehmlich noch
durch die Augen der alten Holländer, Hobbemas etwa oder
Ruisdaels oder Cuyps; das Studium nach deren nachgedunkelten
Bildern ist jedenfalls nirgends verkennbar. Darum gewann
der braune Ton die Oberhand, gingen die Wandlungen der
Jahreszeiten, Tage und Stunden der Landschaft in einer gleich—
mäßigen koloristischen Auffassung und in dem Streben nach
bildmäßiger Wirkung verloren. Ja im Grunde fühlten sich
diese Meister noch mehr zur Form hingezogen als zur Farbe;
und so fehlte noch die Einstellung des Bildes auf ein be—