Voller Realismus.

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selbst das Vieh seines Vaters auf den Hängen des Ederhofes,
mitten im Tiroler Hochgebirge, geweidet, daß er selbst auf
dem Hofe gewaltet hat. Er ist der Rosegger der bildenden
Künste.
Neben diesen Meistern aber gab es eine ganze Anzahl
kleinerer Genremaler, die bald diese, bald jene Art des Sitten⸗
bildes mehr oder minder ausschließlich pflegten; und die Be—
wegung drang noch über Deutschland hinaus vornehmlich in
die skandinavischen Länder. In der Tat entsprach sie dem,
was das Bürgertum der Zeit inhaltlich verlangte: und war
das Ideal vor allem der seit Ende der zwanziger Jahre be⸗
gründeten, nun immer zahlreicher auftretenden Kunstvereine,
die allmählich in die Rolle eines philiströsen Mäzenats hinein⸗
wuchsen.
Noch weniger erfreulich indes als das Schicksal des Sitten—
bildes war der Verlauf der Bildnismalerei. In den Jahr—⸗
zehnten der Kartonkunst und auch noch des jungen Realismus
hatte sie überhaupt nicht als volle Kunst gegolten. Dann aber
hatten sich die polygraphischen Künste vor allem auf ihr Ge—
biet geworfen: zuerst die Lithographie, darauf, immer stärker
vordringend, auch die vornehmlich mechanische Kunst der
Daguerreotypie und des Photographierens; es waren Porträt⸗
verfahren, die dem mittleren Bürger genügten.“ Übrigblieb
darum für die Kunst eigentlich nur noch das vornehme Porträt.
Hier aber ließ sich im allgemeinen Rahmen des geltenden
Kolorismus allerdings Großes leisten: denn dieser war, wie
die niederländische Malerei bereits des 17. Jahrhunderts ge—
zeigt hatte, ein schon sehr hoch stehendes Mittel der Wieder⸗
gabe gerade für das Bildnis.
Der größte Meister des Porträts, wie er aus diesem
Zusammenhange hervorging, war Lenbach. Lenbach ist in seiner
Jugendzeit in Bildern, die nicht Bildnisse sind, gewissen Ent—
wicklungsrichtungen der späteren impressionistischen Kunst über—
raschend nahegekommen; als Porträtmaler aber schuf er von
vornherein mit den Mitteln und in der Malweise der Alten.
Aber raffinierter und kenntnisreicher als irgendein Zeitgenosse
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 1. 14