Voller Realismus.

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Hexenwahn wurden beliebt. Es war das Ende der ganzen
Richtung. Gewiß ging es dabei in Deutschland, gegenüber den
entsprechenden Zeiten in Frankreich, noch immer im ganzen ge⸗
mäßigt her. Das Wort, das Taine von der französischen Kunst,
zunächst der Dichtung dieser Zeit sprach: Depuis dix ans une
nuance de brutalité complète l'slégance fand im allgemeinen
auf die deutsche Kunst noch keine Anwendung. Andrerseits aber
war der technische Stillstand, der durch diese Wendung herbei—
geführt wurde, in Deutschland größer. Noch einmal hatte am
Ende das Stoffliche den Fortschritt im Können gelähmt, ja
gleichsam aufgesaugt.
Doch schien in dieser traurigen Neigung zum Verfalle
immerhin noch von einer anderen Seite her ein Rettungsstrahl
aufzuleuchten. Von der Malerei der großen Maschinen hatte
sich inzwischen ein dem Inhalte nach begrenzteres Gebiet ab—
gezweigt, auf dem sich einmal die Aufnahme des Könnens der
alten Meister viel stärker, wie man glaubte sagen zu dürfen
fast restlos vollzog, und das zugleich, weil intensiverer Arbeit
im einzelnen zugänglich, zu allerlei neuen Experimenten Raum
ließ, ja aufforderte. Es war das Gebiet des historischen Genres,
der kulturgeschichtlichen Parallele zu den dröhnenden Dar—
stellungen der Staatsaktionen. Hier konnte man ins Intime
arbeiten; ja, Ruhe, Stille, Eingehen auf die innere Wahrheit des
Stoffes und damit auch der Farbe erschienen als eine der ersten
Voraussetzungen des Erfolgs.
Auf diesem Gebiete hatten nun wiederum, wie in der
großen Historienmalerei, die Niederländer die Initiative ergriffen.
In Belgien hatte Hendrik Leys (1815—1869) diese Richtung
zuerst mit vollem Erfolge eingeschlagen. Von Rembrandt und
Pieter de Hoogh ausgehend hatte er schon im Jahre 1845 sein erstes
großes Werk, die „Hochzeit im 17. Jahrhundert“, geschaffen;
und in den ersten fünfziger Jahren stand er auf der Höhe einer
frühesten künstlerischen Vollendung. Dann lernte er auf einer
Reise in Deutschland Dürer und Cranach schätzen und wandte
sich zugleich dem Studium der älteren Niederländer des 15. Jahr⸗
hunderts zu: womit er denn um die Mitte der fünfziger