214 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
— ανν —”,, Vories Ac —

Jahre eine neue Periode seiner Kunst eröffnete, die inhaltlich
namentlich der Reformation nachging, in der Malerei aber auf
dem energischen Studium der genannten Alten verharrte. Und
eben in diesem Studium fand Leys eigentlich erst ganz die
Eigenart seines vlämischen Stammes und seiner Heimat wieder,
während die Maler der großen Historien in Belgien immer
mehr oder weniger von den Franzosen abhängig geblieben
waren. Darum hat ihm denn auch sein Stamm in innigster Liebe
angehangen und ihn nach seinem Tode fast vergöttert. Leys
hat in Belgien keinen ebenbürtigen Nachfolger gehabt. Wohl
aber sind von ihm mittelbar außerordentliche Wirkungen aus⸗
gegangen. Er hatte mit seiner strikten Nachahmung der Alten
so weit vom gewöhnlichen Wege abgelenkt, daß er das künst⸗
lerische Auge freimachte auch für die unmittelbare Erfassung
der Natur: und er veranlaßte damit Entwicklungsvorgänge,
die früh schon bis hart an die Grenze der Freiluftmalerei
führten.
Im inneren Deutschland wurde, da München lange die
große Historienmalerei vertrat, das historische Sittenbild an—
fangs mehr von der Berliner Schule gepflegt: so z. B. von
Gustav Spangenberg, der sich vor allem der Reformationszeit
annahm, oder von Karl Becker, der im alten Venedig zu Hause
war. Aber auch später ist die Berliner Schule der Richtung
des historischen Sittenbildes getreuer geblieben, wenn auch
unter Wandlungen, in denen ihr besonderer Charakter sich
glücklich widerspiegelte. Von jeher hatte sie etwas mehr dem
Realen Zugewandtes gehabt und hatte daher weder von der
Ideenmalerei der Romantik noch von der Staatsaktionenmalerei
des frühen Realismus viel wissen wollen; Cornelius und Kaul⸗
bach sind in Berlin im Grunde immer Fremde geblieben; den
Genius der Schule vertrat Menzel. Es ist der norddeutsche
verständige, nicht selten sarkastische, im schlimmeren Falle
naturalistisch-brutale Zug, der sie kennzeichnet. Und eben in
seinem Sinne hat sie das historische Geure behandelt.
Ein höchst merkwürdiger Künstler aber erhob sich inner⸗
halb dieser allgemeinen Zusammenhänge der historischen Sitten—