Voller Realismus.

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malerei, einsam und für sich stehend, zuerst in den sechziger
Jahren mehr hervortretend, in Düsseldorf: Eduard von Geb—
hardt (geb. 1838). Gebhardt entwickelte in einer Richtung, der.
auch Spangenberg nicht fern stand, doch mit ungleich größerer
Energie, aus dem historischen Sittenbild eine neue religiöse
Malerei, indem er die heiligen Vorgänge in das deutsche
Leben des 16. oder 15. Jahrhunderts verlegte. Und er tat
dies nicht bloß äußerlich, dem Kostüme und der sichtbaren
Ausstattung nach, sondern, soweit dies möglich war, auch
innerlich, indem er den archaischen Zug durch eine starke und
echte Note protestantischer Frömmigkeit, der Frömmigkeit
Lutherscher Zeiten, adelte. Eine spezifisch protestantisch-religiöse
Malerei entstand auf diese Weise und fand wenigstens in
einzelnen Meistern Fortbildung.
Im übrigen aber wurde entwicklungsgeschichtlich, und das
heißt in erster Linie formal-technisch betrachtet, das historische
Sittenbild in Deutschland schließlich nicht in Berlin oder
Düsseldorf seiner höchsten Vollendung zugeführt, sondern in
München. Von Bedeutung für diesen Verlauf war eine bereits
vor 1870 namentlich in Süddeutschland und sterreich ein⸗
setzende, dann aber durch die Ereignisse von 1870 und 1871
ganz unerwartet geförderte Bewegung auf einen der deutschen
Vergangenheit zu entnehmenden, sogenannten altdeutschen
Renaissancestil. Es war die Zeit, da mit den Büchern von
Thausing über Dürer und Woltmann über Holbein die Periode
dieser Meister kunstgeschichtlich zum ersten Male mehr erschlossen
wurde, da auch kunstgewerblich eine Renaissancebewegung be—
gann, da der Münchener Gedon deren Neigungen und Absichten
in höherer künstlerischer Vollendung auf die Dekoration, ja
die Architektur im allgemeinen zu übertragen suchte. Im
Zusammenhang mit diesen Vorgängen fand nun in München
eine ungemeine koloristische Vertiefung in die malerischen
Voraussetzungen der alten deutschen Kunst von der Renaissance
bis schließlich zum Absterben der Vlamen und Holländer statt;
und das Jahr 1876 mit der großen Münchener Kunstgewerbe—
ausstellung bezeichnete ungefähr die höchste Stärke dieser