216 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

Strömung. Ihr genügte nun aber auf malerischem Gebiete
keineswegs mehr der Historismus Pilotys. Was die Diez, Har⸗
burger, Claus Meyer, Fritz August Kaulbach nunmehr anstrebten,
war ein weit anderes: die Farben⸗- und Lichtraffinements vor
allem der alten Kleinmeister suchten sie nachzuahmen. Natür⸗
lich wurden sie auf diesem Wege zu Genußmenschen einer zarten
künstlichen Farbengebung; und insofern waren sie noch nach rück⸗
wärts gerichtet. Allein ihr Standpunkt wies sie doch zugleich
auch nach vorwärts, insofern sie das Hauptgewicht immer mehr
auf die bloße malerisch-künstlerische Erscheinung der Bilder
und nicht mehr auf deren Inhalt, ja zum Teil auch nicht
mehr auf deren Zusammenhang mit der Kunst der Alten legten.
Es war ein Umstand, der natürlich geeignet war, sie über sich
selbst hinaus in eine ganz neue Entwicklungszeit der Malerei
zu führen, die Zeit des Impressionismus und der Kunst der
zweiten subjektivistischen Periode überhaupt, wie sie einen
entwicklungsgeschichtlich ganz wesentlichen Fortschritt in der
technischen Wiedergabe der Erscheinungswelt bedeutete.
Den ganzen Eindruck dessen aber, was den Übergang so—
wohl zur älteren großen Historienmalerei, wie weiter zu den
freien Farbenraffinements der historischen Sittenmalerei und
damit das volle Durchlaufen der Zeiten des Realismus bis zu
deren Ende technisch bedentete, und damit wiederum die volle
Übersicht über die entwicklungsgeschichtliche Stellung der letzten
Zeiten der ersten subjektivistischen Periode zu dem Realismus der
dreißiger und vierziger Jahre und dem Können des Klassizismus
und der Romantik gewährten doch erst zwei Meister, die beide
Süddeutschland angehörten, und deren einer von Böhmen ausging,
 um in München zu wirken, während der andere in München
in der Lehre war, um auf der Höhe seiner Kunst vornehmlich
in Wien zu schaffen: Max und Makart.
Erst Makart erreichte jene Höhe des Kolorismus, zu der
im günstigsten Falle die ältere große Historienmalerei vordringen
konnte, und erst Max erlaubte einen ziemlich selbständigen Ein—
blick in die möglichen Freiheiten des geschichtlichen Genres.
Makart ist nicht ohne Vorgänger gewesen. Schon seinen