218 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

nicht inhaltlich mehr umgrenzt, ganz anders wie sie verliert
er auch den linearen Umriß: man wittert schon Übergänge zum
malerischen Impressionismus. Sehr natürlich daher, daß die—
jenigen seiner Bilder, die im gewöhnlichen Sinne des Wortes
etwas vorstellen sollen, eigentlich die schwächsten sind: so die
großen Repräsentationsbilder „Catarina Cornaro“ oder der
„Einzug Karls V. in Antwerpen“. Ganz in sein Element tritt
Makart dagegen da, wo er bloße farbige Allegorien geben kann,
wie in der „Abundantia“, und am vollendetsten wird er, wo er
innerhalb des Dekorativen die Reize des von Reflexlichtern be—
lebten nackten Frauenkörpers schillern lassen darf, wie in seinen
Darstellungen des Frühlings und Sommers oder im Bacchus⸗
fest oder in der Jagd der Diana. Da erreicht er in der Durch—
flechtung der Töne koloristische Gesamtwirkungen, die bis dahin
unerhört waren, die narkotisierend wirken wie ein ekstatisches
Gedicht.
Denn der Meister des malerischen Lebensgenusses: das
eigentlich war Makart. Auf diesen war sein eigenes Leben
gestimmt; er tönt wieder aus seinen Werken. Jedes seiner
Bilder hat eigentlich denselben Inhalt; es ist eine Poesie des
Farbenrausches, zusammengesetzt im Grunde aus wollüstig ver⸗
führenden Farbenharmonien, in denen ein leuchtendes Rot und
der Gegensatz eines metallisch glänzenden Blaugrüns zu warmem
gelblichem Braun eine entscheidende Rolle spielen, und nur
nebensächlich aus einer bunten Ansammlung von Weiberkörpern
und von Fruchtgehängen bestehend, von schillernden Wand—
schirmen und spiegelnden Wasserflächen, von reflexxeichen Marmor⸗
architekturen und gleißenden Pfauen, von Brokaten und Seiden⸗
geweben und schillerndem Herbstlaub. Denn das, was wir von
all diesen schönen Dingen erhalten, ist nur die Farbe, das
äußere Dasein, das Animalische: die Männergesichter scheinen
den Modejournalen entnommen und die Frauen tragen Puppen⸗
köpfe: kaum eine Spur einer Poesie des Seelischen taucht
empor.
Und mehr noch: selbst auch nur zu zeichnen weiß dieser
Meister nicht: wie oft vergreift er sich in den Proportionen,