Voller Realismus.

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welche Fehler finden sich gegen die Perspektive! Und noch ein⸗
mal mehr: auch malen kann er in gewissem Sinne nicht, näm⸗
lich nicht abmalen; wie weißkreidig ist der Fleischton hier und
dort wie rosenrot! Aber das alles war auch nicht Makarts
Sache. Er wollte nur dekorieren, der Gobelinton war ihm
eben recht. Und er dekorierte in der äußersten, mit wunder—
barer Hand ausgespielten Palette des historischen Realismus,
und er komponierte seine Dekorationen nach farbigen Harmonien
und Kombinationen innerhalb der für die Darstellung des
großen Historienbildes geltenden Gesetze.
Makart hat mit dieser Kunst nicht ganz allein gestanden.
In Deutschland kann man Ferdinand Keller (geb. 1842) bis zu
einem gewissen Grade seinen Nachfolger nennen, in Frankreich
entsprach ihm etwa Baudry, der Dekorateur der großen Oper,
deren unendlich ausgedehnte Malereien 1874 vollendet wurden.
Und wie diese Meister an die große Historienmalerei an—
schlossen, indem sie ihren Inhalt vielfach ins Dekorative auf⸗
lösten und demgemäß vor allem bei einer faszinierenden Durch—
bildung ihrer Palette verweilten, so läßt sich von Max sagen,
daß er der historischen Sittenmalerei im Grunde ihren Inhalt
genommen und ihre Palette zu einer Stimmunasmalerei
modernsten Charakters verwendet habe.
Gabriel Max (geb. 1840, seit 1863 in München) nutzte
in seinen der Kirchengeschichte entnommenen oder unmittelbar
religiösen Bildern, wie in der Märtyrerin von 1867 oder in
der Darstellung der Madonna, die Wucht der malerischen
Stimmung geraden Weges dazu aus, den religiösen Geheim—
nissen den Charakter des nervös Überreizten, Somnambulen zu
geben. Und auch in anderen Malereien blieb er der Maler
der gebrochenen Empfindungen, wie sie nunmehr die Reiz—-samkeit
 der beginnenden zweiten Periode des Subjektivismus
auszulösen begann: des Heiter-Sentimentalen, des Hysterisch-Schwärmerischen,
 des Süß-Schmerzlichen, des Peinlich-Be—
rückenden, Ahnungsvoll-Grausigen, Gespenstisch-Verzückten.
Dabei war es das Besondere seiner Kunst, daß er diese Stim—
mungen in die raffiniert vornehmen und delikaten Farbenakkorde