Voller Realismus.

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gotische Bauten des 19. Jahrhunderts allmählich immer mehr
erfüllte, kündigte sich recht eigentlich der Sieg eines schon
zum Koloristischen der Malerei fortschreitenden künstlerischen
Auges, der Sieg des künstlerischen Geschmackes des Realis—
mus an.
Besonders deutlich läßt sich diese Entwicklung in der Ge—
schichte der Gotik etwa der dreißiger bis achtziger Jahre ver—
folgen, während die Zahl der klassizistischen Gebäude dieser
Zeit doch schon zu gering ist, um mit Sicherheit die Durch—
führung eines allgemeinen Überblickes zu gestatten. Zudem er⸗
laubte in der Gotik das stetig fortschreitende und bald recht
weitgehende Verständnis der mittelalterlichen Kunst um so mehr
die Befriedigung der künstlerischen Tendenzen des Realismus,
als sich in der Entwicklung der spätmittelalterlichen Gotik
Perioden befinden, die ähnlichen Bedürfnissen jener Zeiten schon
Zugeständnisse gemacht hatten.
Am entschiedensten trat diese Entwicklung der realistischen
Gotik in Wien und in Hannover und von Hannover abgeleitet
in Mittel- und Norddeutschland, vor allem in Berlin hervor. In
Wien wurde Friedrich von Schmidt (182521891) zum Träger
der Bewegung. Von der Kölner Domhütte ausgehend und aus
innerster Beanlagung der Süßlichkeit Zwirnerscher Gotik abhold,
entwickelte er seinen reicheren und pittoreskeren Stil vor allem
an der Formensprache des Wiener Stephansdomes, den er seit
1862 zu erneuern hatte, und hat dann im Wiener Rathause
(1869) sein Meisterwerk geschaffen.
Von größerem Interesse indes ist die Entwicklung der
hannoverschen Gotik, wie sie namentlich Konrad Wilhelm Hase
verdankt wird, der seit 1848 die Kirche zu Loccum erneuert
hatte und 1849 Lehrer am Hannoverschen Polytechnikum ge⸗
worden war. In Hannover hatten sich reiche Reste gotischer
Bauweise aus dem Mittelalter erhalten: eine Backsteintechnik
—— blinkender
Dachziegel, mit breiter Lagerung der Massen, mit Einfügung
zweckdienlicher Kleingebilde in die hauliche Hauptmasse: und
darum mit malerischer Wirkung der Innen- wie der Außen⸗