Holler Realismus.

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den Stil in den bildenden Künsten! eine weitherzigere Lehre
gegenüberzustellen, war allerdings nicht eigentlich und aufs
grundsätzlichste Renaissancearchitekt. Er ging vielmehr von der
Anschauung aus, daß der Bau jeder Zeit Ausdruck des speziellen
baulichen Bedürfnisses, des künstlerischen Auges und der aus dem
Material hervorgehenden besonderen technischen Anforderungen
sein müsse; und er hat selbst in den verschiedensten Stilen
gebaut. Allein mit Recht hat er, wenn er in den Stilen der
Vergangenheit Umschau hielt — und in historisch-archäologischer
Richtung bewegte man sich nun doch einmal — betont, daß die
Renaissance der seelischen Haltung wie auch noch den praktischen
Bedürfnissen der Zeit am besten entsprach: und vor allem, er
wußte aus der innigen Überzeugung von diesem Zusammenhange
wie aus den Regungen einer fein empfindenden Künstlerseele
heraus den alten Stil der Florentiner Renaissance in lebens⸗
voller Umgestaltung der Gegenwart anzupassen. Dabei tat er
das ohne äußerlichen Bruch mit dem Klassizismus; vielmehr ver—
mittelte er von diesem heraus, wenn er der neuen Renaissance
die Fähigkeit zuschrieb, die von den Griechen gefundenen Einzel⸗
formen sinnbildlich zu verwerten und mit der Raumkunde der
alten Römer zu verbinden.
Semper war 1829 in Paris gewesen als Schüler der—⸗
jenigen Architekten, die mit französischer Klarheit und Leichtig—
keit die Renaissance erneuerten, Lesueurs und Labroustes. Aus
ihrer Lehre her hat er dann die italienische Renaissance vor
allem begriffen und, seitdem er 1834 Professor in Dresden
geworden war, nach deren Bilde geschaffen: vom Jahre 1841
ib entstand als sein erstes großes Werk in diesem Sinne das
später abgebrannte ältere Dresdener Hoftheater. Es war eine
Renaissance, die dem aufblühenden Kolorismus, dem Sinne
fürs Malerische bei aller gemessenen Vornehmheit der Formen
entgegenkam; ist doch Semper selbst für die Farbigkeit der
antiken Tempel theoretisch eingetreten. So gab er seinen Bauten
gegenüber dem, was die Zeit, aus geringer Kenntnis der alten

1 VBgl. Bd. VIII, 2, 634.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 1.