Voller Realismus.

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architektur des großen Stils entartete. Ein solches Gerüst⸗
mobiliar aber hat im ganzen und großen immer etwas Nüch—
ternes, Gemessenes, nicht selten fast Unwohnliches, Unbehag⸗
liches. Das ist denn auch der Eindruck, den in ihrem Mobiliar
rein erhaltene Räume aus der ersten Hälfte des 19. Jahr⸗
hunderts vermitteln. Erinnert man sich weiter, daß diese Zeit
in Deutschland noch arm war und daß man am besten noch
aus der Armut eine Tugend machte, und fügt man hinzu, daß
schon die Zimmerausstattung des Rokokos in Deutschland im
allgemeinen, d. h. bei den Bürgern, ärmlich gewesen war, und
daß eben diese Bürger jetzt zum führenden Stand der Nation
geworden waren: so begreift sich, daß das Kunstgewerbe der
Zeit der Linienkunst und des Gerüststils, des Klassizismus und
der Romantik wenig bedeutete.
Wie ganz anders wurde das, als die Periode der Farben⸗
kunst und der Wandstile, vor allem der neuen Renaissance
heraufkam! Jetzt wurden die schmückenden Teile gerade der
— DDD
Möbel übertragbar sind, Anlaß zu raschem Fortschritt in der
Dekoration des Tischlergewerbes; und bald wurden auch die
Möbel wieder nach Analogie der einzelnen Bauteile der
Renaissance konstruiert: die Schränke, die Kommoden wurden
gleichsam kleine Renaissancepaläste. Und was fast ebensoviel
besagte: auf diesem Gebiete konnte die Phantasie der Klein—
kunst ganz anders an die Vergangenheit anknüpfen wie auf
dem der Gotik oder der Antike. Welche Unsumme kunst⸗
gewerblicher Gegenstände der Renaissance war in deutschen
Bürgerhäusern noch aus der ersten großen Zeit des Bürger⸗
tums erhalten! So nahm das Kunstgewerbe noch früher als
die große Architektur eine entschiedene Richtung auf die vater—
ländische Renaissance des 16. Jahrhunderts; es ist in dieser
Richtung beinahe tonangebend gewesen; die Baumeister sind
ihm vielfach erst gefolgt. Und indem man so den Blick rück—
wärts wandte auf das Kunstgewerbe noch wohl erkennbarer
Zeiten und zugleich der allgemeinen historischen Strömung
folgte, wurde eine Bewegung entfaltet, die mit der Samm⸗