Voller Realismus.

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Diesen gelehrten Vorarbeiten folgte dann die praktische Ver—
wendung des Erforschten; 1880 schrieb Albert Ilg sein Büch—
lein über die Zukunft des Barockstils; und während Gurlitt
in den achtziger Jahren dessen Geschichte wie die des Rokokos
noch genauer klarlegte, zog das Barock, zunächst im Kunst⸗
gewerbe, dann auch im Baustil, und mit ihm und nach ihm
hier und da auch das Rokoko, vornehmlich freilich zunächst nur
in Dekoration und Kunstgewerbe, ein.
Konnte nun aber eine Zeit, wie die bisher in Kunst—
gewerbe, Architektur und Malerei geschilderte, der Entwicklung
einer freien und großen Bildnerei besonders günstig sein? War
diese etwa noch von den großen künstlerischen Kulturen des
Barocks und der Renaissance auf deutschem Boden hervor⸗
gebracht worden? Und hatte der malerische Kolorismus jetzt
irgendwie stärkere Beziehungen zur Plastik? Alle Künste dieser
Jahre hatten sich der Hauptsache nach schließlich einer Ent—
wicklung nach der Seite des Schmuckes zu hingegeben, allen ent—
sprach darum auch weit mehr eine hohe Blüte dekorativer als
selbständiger und hoher Bildnerei. So war denn für eine große
Plastik kaum Raum; höchstens daß die Bildnerei der früheren
Zeit, der klassizistischen und romantischen Linienkunst, im wesent⸗
lichen am Dasein blieb, obschon auch sie nicht besonders lebendig
hervortrat, wenn sie auch allmählich eine zunehmende Neigung
zuerst zum Realismus überhaupt, dann insbesondere zum Male—
rischen entwickelte.
Dabei war diese Plastik ihrer äußeren Formgebung nach
zumeist noch eine solche des Klassizismus. Daneben hätte ja wohl
auch noch eine solche der Gotik in Betracht kommen können.
Allein deren gerade in der Bildnerei des 14. und 15. Jahr—
hunderts ins Äußerste getriebene Formensprache war der Zeit
doch zu fremd, als daß sie allgemeinen Anklang und Nachbildung
gefunden hätte; selbst Meister wie Schwanthaler (1802-48)
blieben, soweit sie gotisierten, ziemlich vereinzelt. Wohl aber
retteten sich, zumeist vermutlich durch Vermittlung gotisierender
Malereien, einige abgeschwächte Einflüsse der Gotik auch in
die klassizistische Richtung, wie denn in dieser bis zu ihrem