238 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

möglich in ihrer Sprache reden ließ, womit er ihnen freilich
den stärksten Duft ihrer Eigenheit wahrte, so wurde der ent—
schiedene Wirklichkeitseindruck seiner Landschaftsschilderungen
durch wenige drastische Mittel der Sprache gewonnen: hier
vor allem war er von vorher unerreichter Kunst. Freilich aber
erschöpfte sich sein Realismus in der Ausbildung dieser
doppelten und vornehmlich der landschaftlichen Skizze; die
Durchdringung der ganzen Fabel mit den starken Eigenheiten
des Amerikanismus konnte schon darum nicht seine Sache sein,
weil er dem amerikanischen Charakter einen idealistischen Kultus
weihte; und auch in der allgemeinen Kunst der Komposition
blieb er zurück. Sein Realismus war also gleichsam frag⸗
mentarisch, indem er sich nur auf Teile des Romans bezog.
Mit Sealsfield ist aber der ethnographisch-geographische Roman
in Deutschland nicht ausgestorben. Doch hat er, soweit er sich
auf fremde Länder bezog, der literarischen Entwicklung später
kaum noch neue Momente hinzugefügt. Männer wie Mügge
(180661), Gerstäcker (1816272) und ihre weiteren Nach—
folger hielten sich der Hauptsache nach ans Stoffliche; ihre
Schriften dienten mehr der belehrenden Unterhaltung als
ästhetischem Genusse. Die künstlerische Fortbildung des land⸗
schaftlichen und ethnographischen Elements fiel vielmehr zum
Teil den wissenschaftlichen Reisebeschreibungen, soweit die Heimat
in Betracht kam, aber vor allem der Bauerngeschichte zu—
In erster Linie bezeichnend indes für die Frühzeit und
Vorperiode der realistischen Erzählungskunst ist es, daß sich
alsbald und von vornherein künstlerisch überwiegend neben
Versuche unmittelbaren Eindringens in Natur und menschliche
Gegenwart die historische Erzählung stellt. Und nicht minder
bezeichnend ist, daß in dieser Entwicklung neben dem besonderen
historischen Sinn sofort, fast ganz wie auf dem Gebiete der
Malerei, der Einfluß fremder Kulturen wirksam wird.
Maßgebend aber war dabei in der Literatur nicht so sehr
der Einfluß Frankreichs oder Flanderns wie der Englands oder
richtiger Schottlands. Und hier wurde wieder fast ausschließ⸗
lich die Kunst eines einzigen Mannes wichtig, die Walter Scotts.