240 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

sich dem Studium auch dieser Kreise, der Bauern, Jäger,
Hirten, als einem auch für ihn wichtigen Stoffgebiet: hier
streifte er die Gegenwart und kann in diesem Zusammenhange,
so sehr er in jeder Hinsicht romantischer Romancier blieb, doch
auch als ein Vorläufer der späteren Dorfnovelle und Bauern⸗
geschichte gelten.
Scotts Romane erschienen in Deutschland seit 1815 in
Übersetzungen; sie machten auch schon deshalb außerordentliches
Aufsehen, weil sie auf keinerlei große Produktion einheimischer
historischer Romane stießen; in dem mit 1820 beginnenden
Jahrzehnt beherrschten sie beinahe das literarische Interesse, ja
griffen in die wissenschaftliche Bewegung ein; es ist lehrreich zu
sehen, wie sehr sie auf Ranke gewirkt haben. Natürlich führte dies
Interesse bald zur Nachahmung. Dabei handelte es sich anfangs
um eine sehr unselbständige Nachfolge; Willibald Alexis hat
seinen ersten Roman „Walladmor“ sogar unter Scotts Namen
eingeführt. Doch bald begann ein reicher Flor freierer Nach—
ahmung: Tiecks „Aufruhr in den Cevennen“ (1826), Zschokkes
„Addrich im Moos“ (1826), Rehfues' „Scipio Cicala“ (1832),
vor allem Hauffs „Lichtenstein“ (1824) gehören in diesen Zu—
sammenhang. Aus dem Kreise der zahlreichen Romanschreiber
auf diesem Gebiete — neben den Genannten sei an Rellstab,
Storch und den Baron von Ungern-Sternberg erinnert — hob
sich aber im Grunde doch nur einer bis zum wirklichen Wett—⸗
kampf mit dem Vorbild des großen Schotten, und dieser eine,
den man wohl den Rethel der Literaturgeschichte nennen darf,
wurde zunächst, eben wegen seines fortgeschrittenen Wirklichkeits⸗
sinnes, von den Zeitgenossen nicht anerkannt: Willibald Alexis
(Häring, aus einer Breslauer Refugiéfamilie Harenc stammend,
1798- 1871). Die fruchtbarste Schaffensperiode von Alexis
lag zwischen 1840 und 1856; 1840 erschien sein „Roland von
Berlin“, 1842 „Der falsche Waldemar“, 1846 „Die Hosen des
Herrn von Bredow“, 1852 „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“,
1854 „Isegrimm“, 1856 „Dorothee“. Dieser Periode voraus
gehen aber zwei Frühperioden, eine erste, in der Alexis ganz
nach Walter Scott schuf, und eine zweite, in der außer Scott