Voller Realismus.

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platten Landes und der mittleren Städte Deutschlands. Be—
wegten sich hier Personen und Zustände innerhalb wohl—
begrenzter Wahrscheinlichkeiten, so herrschte dort gleichsam die
Ausnahme, und das Leben selbst erzeugte in ungeahnten Höhen
und Tiefen Vorgänge, wie sie der kühnsten Einbildungskraft
eines Dichters kaum ersinnbar erschienen. War es da nicht
schon genug, wenn diese neuen Wunder sachgemäß, nach eigener
Erfahrung oder nach der unmittelbaren Erfahrung Nächst—
stehender, geschildert wurden? Hier endlich, auf dem Boden
neuer Tatsachen, schien man der leidigen Reflexion hoher
Kulturen entbehren zu können, ohne langweilig zu werden.
Zugleich aber war damit, bei dem augenscheinlichen Bedürfnis,
getreu zu schildern, der Übergang zum vollen Realismus ge—
wonnen. Denn ganz mit Recht hat Reuter später das Ge—
heimnis der realistischen Dichtung in den simplen Worten aus—
gedrückt: „wenn Einer 'ne Geschichte ordentlich wedder vertellen
will, dann möt Einer dor fülwst mit mang west sin, oder
daum wenigsten möt hei se ut de Mund von de Lüd heww'n,
de't wat angeiht.“ Und so konnte denn zunächst in Paris die
Skizze, als Unterlage und Bestandteil des Kunstwerkes längerer
Erzählungen, von einem Realismus ohnegleichen sein: sie be—
wegte sich darum noch nicht in bekannten Gleisen; sie traf
dennoch das Wunderbare, Außerordentliche: ja sie traf es dann
gerade erst recht. Indem nun aber solche Skizzen nach dem
deben sofort als für sich stehende kleine Kunstwerke die breite
Offentlichkeit suchten und in den Zeitungen fanden, entwickelte
sich — neben dem alten räsonierenden — das beschreibende
Feuilleton: ein Schritt weiter zum bloßen Naturalismus. Und
alsbald stellte sich auch die Zusammenfassung solcher Skizzen,
zunächst an der Hand oft recht loser Verbindungsfäden, zum
Roman ein; die Anfänge lassen sich in den vierziger Jahren
deutlich verfolgen; und schon Sues Romane sind im Grunde
aus Feuilletonbausteinen zusammengefügt.
Es versteht sich nun, daß in Deutschland, wo verwandte
seelische Einwirkungen verwandte Bedürfnisse schufen und die
erstrebte realistische Skizze doch in keinem Leben einer wirklich
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