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Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

zewaltigen Stadt ihr Objekt fand, die Pariser Entwicklung
zroßen Einfluß ausübte. Das um so mehr, als sich Romane
und Romantechniken, als Erzeugnisse einzelner, insbesondere der
führenden Gesellschaftsschichten, vornehmlich leicht von Land
zu Land übertragen; denn diese Schichten, in unserem Falle
die Bourgeoisie der dreißiger bis fünfziger Jahre, pflegen in
sedem Lande derselben universalgeschichtlichen Entwicklungs—
gruppe in verwandten Formen vorhanden zu sein.
Die Einflüsse, die hier wirksam wurden, waren nun speziell
die Victor Hugos, des älteren Dumas und ganz besonders
Eugen Sues; hinzu kam noch von England her aus den ver—
wandten Verhältnissen Londons die Einwirkung von Dickens.
Dabei waren die französischen Dichter, ganz ähnlich wie die
gleichzeitig für die deutsche Kunst so bedeutsamen französischen
Maler, eigentlich noch etwas Romantiker von jener farben—
reichen Schilderungsgabe des Kolorismus, den wir in der
Malerei bei Géricault und namentlich Delacroix getroffen haben.
Die Romantik bezog sich also bei ihnen mehr auf die äußere
als die innere Form der Erzählung: und war in dieser Richtung
namentlich bei Sue durch das Außerordentliche seiner Er—
zählungen, wie es das große Lesepublikum vor allem in den
„Geheimnissen von Paris“ kennen lernte, auch vom realistischen
Standpunkt aus nicht selten motiviert. Anders dagegen wirkte
Dickens ein. Zwar schilderte auch er wesentlich Londoner Leben
und hier wiederum das der unteren Klassen. Aber diese Klassen
beobachtete er nicht bloß gleichsam als Kuriositätensammler,
sondern als Herzenkündiger. Und so erhält seine Aufmerk—
samkeit etwas Humoristisch-Gefühlsreiches an Stelle der kälteren,
ntellektuellen französischen Beobachtung, und seine Skizzen und
Genrebilder vereinigen sich ihm aus dem inneren Interesse an
den dargestellten Personen zu Romanen, deren Kompositions⸗
schwäche die freundliche Subiektivität des Bindemittels leicht
übersehen läßt.
Dickens' Hauptromane und nicht minder die Romane der
Franzosen sind in Deutschland während der vierziger und
fünfziger Jahre, ja noch später außerordentlich viel gelesen