Voller Realismus.

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Das ist etwa die Technik, deren sich Gutzkow zu bedienen
suchte, als er sich um 1850, nach einem Jahrzehnt dramatischer
und dramaturgischer Tätigkeit, wieder dem Roman zuwandte
in der Absicht, diesen zum Gefäß und Werkzeug einer großen
politischen wie religiösen und sittlichen Wiedergeburt der Zeit—
genossen zu machen. Denn diesem Plane dienen im Grunde
die „Ritter vom Geist“ (18830—52) wie der „Zauberer von
Rom“ (1859 -61). Aber freilich hat Gutzkow mit den beiden
Romanen weder diese oberste Absicht erreicht, noch ist es ihm
zgelungen, die Kunstform des Romans des „Nebeneinanders“
ganz zu entwickeln und auszubauen. Die gleichzeitige Ent—
faltung des Zustandsbildes wie des Handlungskomplexes inner⸗
halb verschiedener Gesellschaftskreise erforderte eine Höhe des
von dem Dichter einzunehmenden Standpunktes und eine Ge—
schicklichkeit in der Leitung der von Kreis zu Kreis bestehenden
Zusammenhänge, der sich der Dichter nicht gewachsen erwies.
Und so verlief denn das Ganze trotz forcierter Handlung, trotz
aller Kunstmittel, Vorgänge indirekt und im Reflex der Ab—
sichten und Taten Dritter zu schildern und damit die Einheit
des Ganzen zu fördern, schließlich doch ins Unklare: womit
denn auch der künstlerische Erfolg auf die Dauer ausblieb.
Und doch hatte Gutzkow das genannte Zeitbild schon von vorn—
herein auf zwei Romane verteilt, also auf grundsätzliche Ein⸗
heit von vornherein verzichtet.
Gutzkows Erfahrungen schon in den „Rittern vom Geist“,
noch mehr im „Zauberer von Rom“ zeigten, daß die Erfassung
eines vollen Weltbildes vermöge des Romans des Neben—
einanders außergewöhnlich schwierig, ja vielleicht kaum möglich
war. Der weitere Entwicklungsgang der Romanschreibung lief
daher darauf hinaus, daß auf die Darstellung eines vollen
Weltbildes in einem einzigen Romane verzichtet wurde, und
daß nur jeweils einzelne Abschnitte dieses Bildes zur Dar—
stellung gelangten: bis auf diesem Wege wirklich eine gewisse
döhe der Einzeltechnik und der Komposition erreicht wurde.
In diesem Sinne hat schon Auerbach geschrieben, nachdem
er sich dem Zeitromane zugewandt hatte; besonders „Auf der