Voller Realismus.

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völlig zurücktrat und damit der realistischen Technik der Skizze
vollste Herrschaft gesichert schien.
Im Sinne eines solchen verobjektivierten Subjektivismus
hat sich nun in der Tat ein großer Zeitroman parallel zu dem
Roman des Nebeneinanders, wenn auch etwas später und in
seinen Anfängen nicht sogleich deutlich erkennbar, entwickelt.
An die Spitze dieses Verlaufs läßt sich Gottfried Kellers
(181990) „Grüner Heinrich“ (1854) stellen. Der „Grüne
Heinrich“ enthält bekanntlich, und in den ersten Auflagen be—
sonders deutlich, die seelische Bildungsgeschichte des Dichters
selbst; er ist also ein „Ich-Roman“ ausgesprochenster Art, wenn
auch nicht in dem engen Sinne, daß der Autor in der ersten
Person erzählte. Aber er ist weit davon entfernt, Memoiren⸗
charakter zu tragen. Als der Dichter Wahrheit und Dichtung
über seine Entwicklungsjahre niederschrieb, hatte er mit dieser
Zeit schon innerlich abgeschlossen: ja mehr, er hatte auch mit
der Entwicklungsgeschichte der Periode des nationalen Geistes⸗
lebens abgeschlossen, dem eben diese Bildungsjahre angehörten,
und deren getreuer Ausdruck sie in vieler Hinsicht sind. Er
war also ganz in der Lage, die subjektiven Hergänge zu ver⸗
objektivieren, ja sogar ins Typische zu erheben.
Das, was Keller in seinem Romane gibt, ist daher in
Wahrheit die Naturgeschichte einer Spezies des „problematischen
Charakters“, dessen Periode seine Jugendzeit und dem seine
Jugend selber angehört hatte. Insofern ist der „Grüne
Heinrich“ ein Roman der neuen, soeben charakterisierten Richtung
wie nur einer. Wenn er trotzdem und trotz aller seiner hohen
zeitgeschichtlichen und persönlichen Bedeutung nicht ganz den
entwicklungsgeschichtlichen Höhepunkt dieser Richtung bezeichnet,
so liegt das mehr an den Eigenheiten der Formbehandlung im
einzelnen. Hier wußte nämlich Keller noch nicht die individuellen,
dem Kunstwerk als solchem schädlichen Eigenheiten seiner
Persönlichkeit zu unterdrücken. Immer und immer wieder
hören wir die Person Kellers mit allen seinen krausen Ein⸗
fällen dem Erzähler ins Wort fallen, bald in der Art Jean
Pauls, bald frühromantisch, bald mit Reminiszenzen an
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