Voller Realismus.

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Weltbildes zu gestalien. Er ist kein Systematiker. Er will
nicht Typen schildern. Das, was er sucht, ist etwas ganz
anderes, ist das Original. Originale — wie er selbst — sind
seine Helden, von dem Schreiber der „Chronik der Sperlings—
gasse“ (18357) an über die Figuren des „Hungerpastors“ (1864)
hin bis zum „Schüdderump“ (1870) und darüber hinweg:
— und Originale bleiben seine Helden auch, insoweit er sich,
vornehmlich in späteren Zeiten, mehr historischen Stoffen, etwa
solchen des 16. bis 18. Jahrhunderts, zuwendet. Denn bei seiner
Art sind eigentlich auch seine historischen Romane Gegenwarts⸗
romane, da sie ganz von der Subjektivität ihres Autors durch⸗
tränkt sind. Natürlich zeigen aber unter diesen Umständen auch
die untergeordneten Fragen der Formgebung Ragabe vielfach
auf besonderen Wegen. Er reflektiert noch, wie Jungdeutsche
und Romantiker, vor allem aber wie Jean Paul, mit dem er
durch Verwandtschaft des Charakters verbunden ist. Aber da—
neben weiß er auch aufs wunderbarste realistisch zu schildern:
welche unendliche Fülle unvergeßlicher Skizzen stehen in seinen
Erzählungen aneinandergereiht. Freilich fehlt auch in ihnen
nicht ein eminent subjektives Element: die persönliche Stimmung.
In dieser Hinsicht weist Raabe vorwärts; er geht den litera⸗
rischen Impressionisten so vorauf, wie die Stimmungslandschaft
der ausgebildeten Malerei der freien Luft und des Lichtes.
Das aber, was Raabe nicht gelingt, die volle Verobjektivierung
des dichtenden Subjekts im Roman: das erreicht etwas später
und in gewissem Sinne schon weit jenseits der Zeitgrenzen der
Periode der realistischen Erzählung Friedrich Vischer (807 -1887)
in seinem Romane „Auch Einer“. Die Grundrichtung, der
Vischer bei der Abfassung dieses Romans folgte, hat er selbst
in einer Stelle des Tagebuchs seines Helden vortrefflich geschildert.
„Goethe hat gesagt, der Humor sei zwar ein Element des Genies,
aber, sobald er vorwalte, begleite er die abnehmende Kunst,
zerstöre und vernichte sie zuletzt. Das ist doch nur wahr, wenn
man unter ‚Vorwalten‘ außer dem Überhandnehmen besonders
versteht eine Einmischung in das Dichtwerk auf Kosten der
Objektivität. Belehrend ist hierin Jean Paul; das humoristische