Voller Realismus.

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der Hauptsache nach auf den Raum unter dem Striche ver—⸗
wiesen worden: war in gewissem Sinne Feuilleton geworden
und stand hier neben dem belehrenden Aufsatze etwa wie die
Novelle neben dem wissenschaftlichen Essay. Das hatte dann zur
Folge, daß sie nicht selten auch einen bestimmten Thesencharakter
annahm: für den Beweis einer bestimmten Behauptung gebraucht
wurde. Dieser Charakter aber übertrug sich danach auch auf den
Roman unter dem Striche, der, wollte er das Interesse der Leser
dauernd fesseln, ja bis zu einem gewissen Grade in der Form
von einzelnen Feuilletonskizzen gearbeitet sein mußte. War dies
die gleichsam technische Entstehung des Feuilleton- und Thesen—
romans, so begegnete diese sich noch zugleich mit einer inhaltlichen
und wichtigeren Entwicklung. Die Tendenz, das Leitmotiv des
Tendenzromans, war eine politische, sittliche, soziale Richtung
von langem Atem gleichsam gewesen, eine Richtung, die einen
ganzen Menschen charakterisierte. Demgegenüber entwickelte sich
nun mit der steigenden Hast des Berliner großstädtischen Lebens
die These als gleichsam nur ein Ausschnitt, nur ein Moment
einer Tendenz. Eine These ist z. B. die von Paul Lindau in
seinem Roman „Arme Mädchen“ (1887) erörterte Frage, ob
„ein Mann von Ehre auch dann verpflichtet sei, die Wahrheit
zu sagen, wenn durch eine wahrheitsgetreue Aussage der Ruf
der Frau gefährdet, ihre Ehre vielleicht vernichtet wird'. Man
sieht: die These ist recht eigentlich nur das Erzeugnis eines
besonderen Momentes und greift nicht entfernt so weit und so
tief wie eine Tendenz: und eben hierin liegt es begründet, wenn
ihr Emporkommen auch inhaltlich auf die Entstehung der
Feuilletonskizze und des Feuilletonromans als eines Thesen⸗
romans hindrängte.
Unter den gegebenen Umständen versteht es sich nun eigentlich
von selbst, daß die neue Form zuerst in den großen Weltstädten des
Westens, vor allem in Paris ins Leben getreten ist; hier hat
Dumas Klls in den fünfziger Jahren die ersten Thesenromane
geschrieben. Und natürlicherweise hat diese frühere Entwicklung
des Westens die Berliner nicht wenig beeinflußt; insbesondere
deren Hauptvertreter, Paul Lindau (geb. 1839), hatte eine ganz