Voller Realismus.

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Die höher strebenden Dichter des historischen Romans aber
wandten sich im allgemeinen von der referierenden Form, deren
populäre Reize freilich nie vergehen werden, ab und dem ideen—
und dem kulturgeschichtlichen Romane zu.
In den Vordergrund trat dabei sehr bald der kultur—
geschichtliche Roman, der übrigens das Hereinspielen ideen—
geschichtlicher Elemente, z. B. der Idee des preußischen König—
tums, nicht auszuschließen brauchte. Sehr begreiflich: die
allgemeine seelische Haltung einer Zeit und eines Volkes, das
—D
nennen kann, erschien in diesen Jahrzehnten besonders geeignet,
als Grundlage einer Romandichtung der Vergangenheit zu
dienen: ein historischer Roman auf dieser Basis bedeutete ja
eigentlich nichts als die UÜbertragung des eben mühsam in
Entwicklung begriffenen Wesens des Gegenwartromans in die
Vergangenheit. Den Verlauf einer geschichtlichen Idee — dies
Wort im Sinne der Geschichtswissenschaft des Realismus ver—
standen — oder gar mehrerer solcher Ideen in einem Romane
darzustellen, erwies sich dagegen als schwierig, weil sich das
Wesen der Idee alsbald in dem Oberbau des Romans, in der
Handlung selbst verkörpern mußte: womit denn der Ideenroman
sich sofort bedenklich der eigentlichen Ideengeschichte näherte
und das phantasievolle, ja sogar das künstlerische Moment im
höheren Sinne, das Moment vollendeter künstlerischer Freiheit,
vermissen ließ. Und so haben denn die ideengeschichtlichen
Romane ihre Autoren meist wenig befriedigt und auch die Liebe
der Nation nur wenig gewonnen: weder Frenzels, noch Rodenbergs,
noch Laubes Werke sind viel gelesen worden.
Dem kulturgeschichtlichen Romane dagegen gehörten mit
die gefeiertsten Erscheinungen des historischen Romans der Zeit
an. Schon das war bezeichnend, daß gerade diese Richtung
in Meinholds „Bernsteinhexe“ (1843) einen trefflichen Vorläufer
gehabt hat, so wie etwa Jeremias Gotthelfs Schriften um
dieselbe Zeit den Charakter des viel späteren impressionistischen
Romans vorwegnahmen: es handelte sich beim kulturgeschicht⸗
lichen Romane um eine tiefere, originäre Bewegung, nicht nur