Voller Realismus.

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viel weniger rasch abzublühen als die Dichtung, da ihre be⸗
sonderen Ausdrucksmittel sie mit der Sprache, dem Ausdrucks—
mittel zunächst doch einmal der begrifflichen Welt, nicht in
Verbindung bringen.
Unter den Zweigen der hohen darstellenden Kunst aber hat
weitaus am meisten die Musik, hat weniger die Lyrik und am
wenigsten das Drama gelitten: je feiner die Mittel darstellender
Phantasietätigkeit waren, um so früher und um so mehr ver—
sagten sie.
Das Drama hätte an sich wohl der realistischen Richtung
zu folgen vermocht, wäre diese im Aufsuchen neuer Naturalismen
über die physiologische und psychologische Beobachtungsgabe
der früheren Zeiten der ersten Periode des Subjektivismus
hinausgelangt. Denn in dem Augenblicke, da, mit dem Im—
pressionismus der zweiten Periode, ein solcher Fortschritt ein—
trat, begann alsbald auch eine Zeit lebhaftesten Experimentierens
auf dramatischem Gebiete, nahten die Zeiten der Sudermann
und Hauptmann, die Jahre eifriger Aufführung der Stücke
Ibsens und Hebbels. Allein eben dieser Zusammenhang
zeigt am besten, daß im Verlaufe des späteren Realismus
eine Vertiefung der Kräfte darstellender Phantasie nicht mehr
stattfand. Wie in allen ausgehenden Perioden handelte es sich
vielmehr im besten Falle nur noch um eine Verbreiterung und
Vervollständigung früher erworbener Fähigkeiten, im allgemeinen
sogar nur um deren einfach fortgesetzte, immer mehr handwerks⸗
mäßige Übung.
Unter diesen Umständen kann sich eine entwicklungs⸗
geschichtliche Erzählung über die Erzeugnisse der höheren dar—
stellenden Phantasie des Zeitraums der fünfziger bis achtziger
Jahre kurz fassen: es sei denn, sie verfolge den mehr mono—
graphischen Zweck, zugleich einen Beitrag zur Psychologie des Ver—
falls der Einbildungskraft in einem bestimmten Falle zu liefern.
Schon die Romantik hatte das Drama im Grunde er—
folglos gepflegt: was ist von ihrer reichen dramatischen Pro—
duktion überhaupt bis zur Bühne vorgedrungen, und was hat
sich auf dieser bis in die Gegenwart erhalten? Bühnen—