278 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Napitel.

wirksamkeit aber erbringt zwar nicht das einzige, wohl aber
ein unerläßliches Zeugnis wahrhaft dramatischen Lebens. Dann,
in den Zeiten des beginnenden historischen Realismus, hatte
sich ein noch primitiveres historisches Drama eingestellt, dem
Geschichtswerke wie Raumers „Hohenstaufen“ zu einem flachen
und breitspurigen Leben verhalfen: es war eine Parallel⸗
entwicklung gewesen zu den Einflüssen Scotts im Roman und
zur Historienmalerei der Schadowschen Schule. Im übrigen ver⸗
sank die Dichtung in den dreißiger Jahren zu nicht geringem
Teile in die immer noch ziemlich phantasievoll ausgestatteten
Leidenschaften einer embryonalen Politik; die Romanschreiber des
Jungen Deutschlands traten auf und nach ihnen die politischen
Lyriker der vierziger Jahre!. War nun aber in diesem Verlaufe
noch Raum gegeben für eine starke Entwicklung des Dramas?
Dennoch haben sich in dieser Zeit, seit etwa 1840, die Jung⸗
deutschen als Dramendichter geregt, wie in ihr, noch vor
stärkerem französischem Einflusse, die Historienmalerei eines
Rethel erblühte und in der realistischen Kunsterzählung mit
der Dorfnovelle und Verwandtem selbständige Anfänge gemacht
wurden. Und die Jungdeutschen waren in diesem Zusammen—
hange wohl am Platze. Die sentimentale, manchmal wohl auch
humoristische Romantik ihrer Romanproduktion war erledigt;
sie sahen dem Leben schärfer ins Gesicht; und sie hatten einst—
weilen genug vom politischen Heroldstum. So begann der
schärffte Kritiker von Staat und Kirche unter ihnen, Gutzkow,
am frühesten den dramatischen Reigen mit „Werner oder Herz
und Welt“ (1840), mit der „Schule der Reichen“ (1841) und
mit anderen Dramen, bis er mit „Zopf und Schwert“ (1848)
eine erste Höhe erreichte. Am stärksten oder wenigstens erfolg—
reichsten aber war die dramatische Tätigkeit der ehemaligen
Jungdeutschen wohl gegen Ende der vierziger Jahre: Laubes
Monaldeschi“ (1845), seine „Karlsschüler“ (1847), Gutzkows
„Urbild des Tartüff“ und „Uriel Acosta“ (1847) führten hier
den Reigen. Und schon gesellten sich zu den älteren Autoren,

S. Bd. X S. 474 ff., 509 ff.