Voller Realismus.

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die, zumeist im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts geboren,
nun schon mit ermattender Phantasie schufen, junge Elemente
von Frische und Kraft, so Geibel und Freytag.
Aber schon war auch auf diese Entwicklung der Meltau
der Mißgunst der innerlichen nationalen Entwicklung und
steigenden fremden Einflusses gefallen: und aus der Einwirkung
der Mischung beider ist dann das eigentlich typische Drama
des Realismus hervorgegangen.
Otto Ludwig, der die Entwicklung des realistischen Dramas
als leidenschaftlicher Kritiker und insofern tiefster Kenner, als
ein Sachverständiger des Hasses miterlebt hat, sah die erste
Schwierigkeit einer nationalen Entfaltung des Dramas wie über—
haupt der Dichtung in dieser Zeit ganz allgemein in dem Über—⸗
wiegen des Gedanklichen, der Philosophie: es ist der noch fort—
währende Einschlag der romantischen Zeit der Identitätssysteme,
der ertötend wirkt: „Wie die Theologie früher, so hat die Philo—
sophie in neuerer Zeit die Poesie unterjocht und sich zur Stoff—
und Gesetzgeberin der Poesie aufgeworfen, und so unter dem
Vorwande der Bildung der Poesie eigenstes Wesen gefährdet.“
Es geschah natürlich besonders durch Vermittlung der Ästhetik,
wie sie wiederum vornehmlich in der Schule Hegels ausgebildet
worden war und darum eigentlich den Realismus erst recht
bedrückte. Was da das Drama speziell zu leiden hatte, kann
man aus der Tatsache ermessen, daß Vischer und Hettner gerade
in den Anfängen des vollen Realismus, nämlich Vischer in
seiner Ästhetik, die 1846 bis 1857 erschien, und Hettner in
seinem Buche vom modernen Drama (1882) je eine triadische
Stufenfolge von Arten des Tragischen festgestellt hatten: näm—
lich Vischer eine Stufenfolge des Tragischen als des Gesetzes des
Universums, als einfacher Schuld und als sittlichen Konfliktes,
Hettner aber eine Stufenfolge des Tragischen des Verhältnisses,
der Leidenschaft und der Idee. Man hat neuerdings freilich
noch viel mehr Arten des Tragischen aufgestellt, aber man
berlangt nicht mehr gleich den Ästhetikern der fünfziger Jahre,
daß der Dichter sich nach diesen Distinktionen als Normen
seiner schöpferischen Tätigkeit richte. Unter diesem Druck der