Voller Realismus.

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der alten Rederijker, zu Gestalten, die im Auftrage des Dichters
etwas zu sagen hatten. Je mehr aber diese Entwicklungs⸗
richtung die Praxis der Dichter zu beherrschen begann, um so
mehr schwand natürlich das sinnliche Element der Dichtung
überhaupt: und das hieß für das Drama, die anschaulichste aller
Dichtungsgattungen, das Ende.
Allerdings unterlag dabei die deutsche dramatische Poesie
nicht durchaus diesem Verfalle. Zwar die große Dichtung, die
die Blicke über die Zeit hinaus schweifen läßt, die an höchste
Ideen rührt und die Tiefen des nationalen Herzens bewegt, die
hohe Tragödie vor allem, fehlte. Aber da, wo der Historismus
nicht bloß die dramatischen Mittel bestimmte, sondern auch den
Stoff der Handlung lieferte, im geschichtlichen Drama, leuchtete
doch noch eine gewisse Harmonie und »ein letzter Abglanz
poetischen Schaffens auf. Wie es Otto Ludwig einmal, nicht
ohne das Lächeln der Resignation, geschildert hat: „Die Poesie
oerfährt nach den Gesetzen der Erinnerung; sie ändert nicht,
was geschehen, aber sie mildert es künstlerisch. Daher sind,
wenn alles andere gleich, die Stoffe poetischer, die in der Ver—
gangenheit liegen; sie erlauben eine künstlerische Darstellung.
Wir haben keinen anderen Maßstab, sie zu messen, als das
rein Menschliche; mit Stoffen aus der Gegenwart und aus der
aächsten Nähe ist es anders.“ Und so entwickelte sich denn
eine leidliche historisch-dramatische Poesie, wenn sie auch in
hohen Stoffen zumeist ein wenig blutleer blieb: denn man lebte
in einer bürgerlichen, ja einer bürgerlich-revolutionären Epoche,
und die Schicksale der Könige rührten weder, noch wußten sie
zu erheben. Dabei war es im Grunde noch günstig, schloß
man sich der Form nach an die Großen der ersten subjektivistischen
Periode, an den Klassizismus Goethes und noch mehr an
die leicht nachzuahmende Art Schillers an. Und so erblühte
denn eine bescheidene dramatische Epigonie, der sich nur wenige
wichtigere Erscheinungen, wie Brachvogels „Narciß“ oder Wil—
brandts „Arria und Messalina“ nicht einordneten. Der Schluß⸗
held dieser Entwicklung war Wildenbruch (geb. 1845) mit seinem
„König Harold“, mit den, Karolingern“, den , Vätern und Söhnen“