284 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

und auch noch den „Quitzows“. In ihm verhallt schließlich wohl
am reinsten, wenn auch gelegentlich ein wenig bombastisch,
mancher tiefen Pedalstimme alter Orgeln vergleichbar, der
Schillersche Jambenstil:

Die Welt ist tot. Das schweigende Entsetzen
Sitzt auf den Trümmern und gebiert das Nichts.
(Schluß der Karolinger.)

Wenn aber so im ernsten Drama die elementare, die aus
dem Herzen der Natur aufquellende Empfindung versiegte: blieb
dieser Zeit des Verstandes nicht wenigstens das heitere Spiel
des Humors und des Witzes?
Auch hier versagte die intellektualistische Erfüllung der
Zeiten. Gewiß: in den Niederungen, da wo alte bürgerliche
Lebensformen als Philisterium fortvegetierten, da hielt sich auch
ein behäbiges Repertorium ständiger breitlachender Witze. In
diese ewig satte Atmosphäre führte in dieser Zeit und schon
früher das Lustspiel von Roderich Benedix (1811 -1873): und
wer wird nicht Phäakenstunden haben, in denen er das über
„Doktor Wespe“, „Die Dienstboten“ und tausend andere Stücke
hingelagerte Behagen noch heute historisch genießt? Neben die
Kleinmaler vom Stile Benedixens aber stellten sich auch noch einige
anmutige Genremaler, die wohl an die Leistungen der gleich—
zeitigen historischen und modernen Sittenschilderung erinnern
können: als letzter Adolf L'Arronge, ein ernster Künstler in
seiner Art und fern der Schleuderarbeit der Firmen Moser oder
Schönthan und Rosen.
Zu einer wirklichen Komödie kam es aber nicht. Wohl fanden
sich ausnahmsweise einmal verheißungsvolle Ansätze ein, wie
in Freytags „Journalisten“ etwa oder in Wilbrandts „Malern“,
und bewiesen nicht minder, wie die in ihrem begrenzten Kreise
sehr tüchtige Wiener und Berliner Lokalposse, daß es an den
für die Konzeption eines tapferen Lustpiels nötigen Gegenständen
in der Umwelt keineswegs mangelte. Was fehlte, war etwas
viel Wichtigeres, die innere Disposition: breite, seelische Er—
fahrung, voraussetzungsloses wirklich schöpferisches Schaffen.