Voller Realismus.

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von Dresden heißt: „Wagners Werke sind die Schöpfungen
einer gewaltigen, zügellosen Phantasie, eines reichen, fast über—
reichen Genius und gänzlich abweichend von der Bahn aller
modernen und antiken Komponisten. Sie sind ein Chaos von
Tönen, ein Meer der Harmonie, vor denen allerdings der
lauschende Hörer anfangs mehr überwältigt staunt, als er sie
in sich aufnehmen kann.“
Statt der neuen Musik, die damals noch im eigentlichsten
Sinne Zukunftsmusik war, blühten vielmehr noch einige letzte
Herbstblumen des spätesten, schon ganz epigonischen Klassizismus.
Es handelt sich um die Werke von Meistern, die heute so gut
wie vergessen sind, Friedrich Schneider (1786 — 1858), Wilhelm
Taubert (18111891), Heinrich Dorn (1804 1892): alles
Männer, die zu ihren Lebzeiten als berühmt galten. Von
ihnen hat Schneider allein dreiundzwanzig Symphonien,
sieben Opern, vierhundert Chorlieder, zweihundert Klavierlieder
und sehr beträchtliche Kirchen- und Kammermusik geschrieben.
Zur akademischen Zusammenfassung und zum vollen Ab—⸗
schluß zugleich kam die instrumentale Epigonie vor allem in
Leipzig und Berlin. In Leipzig bildete sich an dem von
Mendelssohn begründeten Konservatorium? eine förmliche Schule
aus, die zunächst die Pflege der Klassik in zimperlich-anmutiger
Weise betrieb. Dabei brachten Männer wie Moscheles, welche
die Klassiker noch teilweise selbst hatten musizieren hören,
anfangs noch einen frischeren Ton in das Getriebe; später aber
entwickelte sich in Kopien nach Kopien ein langsam verhallendes
Epigonentum zweiten Aufgusses, das bei den Schülern des
Konservatoriums zwar noch Gediegenheit und Sorgfalt förderte,
die musikalische Schöpferkraft aber unterdrückte. Und so sind
die deutschen Meister der Leipziger Schule, ein Ferdinand
Hiller (181141885), Karl Reinecke (geb. 1824) oder Robert
Volkmann (18135— 1888) zwar liebenswürdig und korrekt

Zit. Chamberlain, Wagner, S. 45. Bekannt waren damals „Rienzi“
und der „Fliegende Holländer“.
2 S. Bd. X S. 140.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI. J.