Voller Realismus.

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sprungs: denn in Wien hatte zuerst Joseph Franz Lanner
(1801- 1848) und nach ihm der ältere Johann Strauß (1804
bis 1849) aus dem Ländler den modernen Walzer und in ihm
den eigentlichen Träger wie des nationalen Tanzes des 19. Jahr⸗
hunderts so der nationalen Operettenmusik entwickelt. Diese
wienerischen Elemente aber erhielten, um die Operette der vollen
Epigonie auszumachen, noch eine Legierung mit französischem
—
Paris hatte inzwischen Offenbach, ein Kölner jüdischer Ab—
stammung, in der frivolen Atmosphäre des zweiten Kaiser—
reichs seine liederlich-geistreichen Parodien der olympischen und
Satiren der Napoleonischen Herrschaft geschaffen: „Orpheus
in der Unterwelt“, die „Schöne Helena“ und Verwandtes. Die
Einflüsse dieser Eingebungen der leichten Muse Offenbachs wie
die anderer, oft recht liebenswürdiger, kleiner Singspiele des
Meisters verband wohl zuerst Franz von Suppé (1820 - 1895)
in seiner „Schönen Galathee“ (1865) und in seinem „Boccaccio“
(1879) vollkommener mit der Wiener Tradition, wie sie das
Singspiel des 18. Jahrhunderts noch lange, wenn auch in ab⸗
gewandelten musikalischen Formen festgehalten hatte; der größte
Vertreter der damit eingetretenen Paarung aber wurde einer
der späteren Walzerkönige, der jüngere Johann Strauß, vor—⸗
nehmlich mit der „Fledermaus“ vom Jahre 1871. Auch nach
Strauß ist dann die Operette freilich noch nicht ausgestorben;
Millöcker setzte mit dem „Bettelstudent“ (1881), Genée mit
„Nanon“, Zeller mit dem „Vogelhändler“ und dem „Ober—
steiger“ die Tradition fort: doch in diesem Verlaufe eines
langwährenden Verfalles trat auch immer stärker jenes Kunstgewerbliche
 als Künstlerische der ganzen Gattung mehr hervor,
das im Grunde schon mit ihrer Abhängigkeit von der modernen
Ballmusik gegeben war.