300 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

mit Recht hat sie später Engels schon in Feuerbachs „Wesen
des Christentums“ (1841) finden wollen: mit einem Schlage
habe dies Buch den Materialismus ohne Umschweife auf den
Thron erhoben. „Die Natur existiert unabhängig von aller
Philosophie; sie ist die Grundlage, auf der wir Menschen, selbst
Naturprodukte, erwachsen sind; außer der Natur und den
Menschen existiert nichts ... Mit unwiderstehlicher Gewalt
drängt sich Feuerbach schließlich die Einsicht auf, daß ... die
stoffliche, sinnlich wahrnehmbare Welt, zu der wir selbst gehören,
das einzig Wirkliche, und daß unser Bewußtsein und Denken,
so übersinnlich es scheint, das Erzeugnis eines stofflichen,
körperlichen Organs, des Gehirns, ist. Die Materie ist nicht
ein Erzeugnis des Geistes, sondern der Geist ist selbst nur
das höchste Produkt der Materie. Das ist natürlich reiner
Materialismus.“
Doch blieb der Materialismus Feuerbachs der Haupt—
sache nach noch anthropologischen Charakters; eine eigentlich
materialistische Geschichtsphilosophie hat er nicht entwickelt.
Die Konsequenzen für den vollen Verlauf der Geschichte zogen
vielmehr erst Marx und Engels. Es war eine Wendung, die
die materialistische Geschichtsanschauung zugleich auf lange Zeit
zur geistigen Grundlage der sozialdemokratischen Parteibildung
und somit, seit etwa 1870, des Denkens der großen Masse
der neuen, unteren Stände machte oder wenigstens zu machen
geeignet schien.
Die materialistische Geschichtsauffassung hat Engels in
seiner Schrift gegen Dühring mit folgenden Worten dargelegt.
Sie „geht von dem Satz aus, daß die Produktion und nächst
der Produktion der Austausch der Produkte die Grundlage
aller Gesellschaftsordnung ist; daß in jeder geschichtlich auf⸗
tretenden Gesellschaft die Verteilung der Produkte und mit ihr
die soziale Gliederung in Klassen oder Stände sich danach
richtet, was und wie produziert und wie das Produzierte aus⸗
getauscht wird. Hiernach sind die letzten Ursachen aller gesell⸗
schaftlichen Veränderungen und Umwälzungen zu suchen nicht
in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in