Voller Realismus.

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System der Naturphilosophie, bis zu einem gewissen Grade
sogar der Geschichtsphilosophie entstehen.
In Deutschland hat vor allem, neben und nach den letzten
Arbeiten von David Friedrich Strauß, insbesondere dem „Alten
und neuen Glauben“ von 1872, Ernst Häckel von seiner „Natür—
lichen Schöpfungsgeschichte“ (1868) ab dies System ausgebaut,
ja in ihm durch eine poesievolle Durchführung des biogenetischen
Leitmotives sogar für eine Lehre vom Individuum als einem
historischen Mikrokosmos Platz geschaffen. Häckel erscheint dabei
alle Materie als beseelt; aus der untrennbaren Vereinigung von
Kraft und Stoff ist ihm die organische wie die anorganische
Welt hervorgegangen; und Gott läßt sich nach ihm als die
unendliche Summe der Naturkräfte, als die Summe aller Atom—
kräfte und aller Ätherschwingungen bezeichnen. Das ist die
Lehre, die der Jenger Naturforscher noch jüngst in den „Welt—
rätseln“ vor dem breitesten Publikum vorgetragen hat: ein
dynamischer Monismus erscheint ihm als der Weisheit Schluß.
Man pflegt Häckel krassen Materialismus zum Vorwurf zu
machen; und er pflegt sich dagegen mit allen Kräften zu wehren.
Das Geheimnis der weiten Verbreitung seiner Lehren, besonders
freilich in den philosophisch ungeschulten Kreisen des Mittel—
sttandes und der niedrigeren Breiten der Gebildeten, beruht doch
wohl in der entschiedenen Betonung vor allem einer monistischen
Anschauung. Denn auf diese hin drängte seit seinem erften
Erscheinen der vorwiegende Intellektualismus der Zeit; und erst
innerhalb dieser Grundforderung standen sich wiederum die Gegen⸗
sätze materialistischer und spiritualistischer Auffassung gegenüber.
Dabei konnte denn die Berührung zwischen beiden Gegensätzen
unter Umständen enger sein, als man gelegentlich annimmt; und
nicht selten gab es Brücken geistiger Entwicklung, die von dem
einen zum anderen hinüberführten. So hatte sich z. B. Heinrich
Czolbe (1819 18783) in seinen Werken aus den fünfziger Jahren
dem Materialismus etwa Moleschotts oder Büchners angeschlossen
und Empfindungen und Gefühle als Elemente der Seele aus
ohysikalischen Bewegungen der Materie zu erklären gesucht. In
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 1. 20