Voller Realismus.

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der philosophische Pessimismus und mehr als dies: der Pessi—
mismus als Lebenshaltung.
Stimmungen des Weltschmerzes hatte schon die Romantik
gekannt!: sie waren im Grunde Reaktionserscheinungen zur
romantischen Weltüberhebung gewesen; und nicht zum geringsten
hatte auf ihnen jene Idealisierung der Vergangenheit beruht,
die als historisch galt, da man nicht gewillt war, die Gegen—
wart mit freudiger Sympathie zu genießen und noch weniger
froh hoffend der Zukunft wartete. Es war die Stimmung, aus
der heraus Schelling schon in einer Schrift vom Jahre 1805 die
Weltgeschichte als eine Tragikomödie behandelt hatte. Dann hatte
die Zeit des staatlichen Elends in den zwanziger und dreißiger
Jahren bei klarerer, realistischerer Einsicht in den Verlauf der
zffentlichen Dinge diese Stimmung bei nicht wenigen und oft
den Besten vertieft. Da hieß es für leidenschaftliche Köpfe
müßig feiern oder sich in Verhältnissen ständigen passiven Wider—
standes bewegen, wenn man nicht gar auf alles Wirken ver—
zichten mußte: und neben manch hartem Arbeiter, der trotz—
dem unverdrossen blieb, entwickelte sich die Zeiterscheinung einer—
seits der absoluten Schwächlinge, andrerseits der Fauste, der
Titanen, der problematischen Naturen. Und etwas von dieser
Stimmung überhaupt ging in das Zeitbewußtsein über. Die
letzten Konsequenzen, wie sie seelischer Allgemeineindruck wurden,
sind auf diesem Gebiete vielleicht von niemand tiefer greifend
geschildert worden als von Otto Ludwig. „In unserer Zeit der
Nivellierung, wo der einzelne sich fürchtet, sich anders zu zeigen
als die anderen, und wo wirklich das Gesetz der Not stärker
ist, bei von Kindheit an geschwächten Leidenschaften, bei ge—
regelten Einrichtungen, Allgegenwart der Polizei usw., bei
kräftig aufrecht gehaltener Ordnung, in unserer Zeit zeigt sich
der Charakter fast nur im Affekte, in der Gewalt der Reaktion
gegen den ersten Eindruck des Motives. Die Gewohnheit, sich
im Niveau zu halten, Rücksichten auf die Folgen von seiten des
Ordnungsstaates, drücken die individuelle Intention herunter zu

S. Bd. X S. 24 ff.