Voller Realismus.

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zgewesen; und wie ein Motto durchklingt die Erfahrung Tann—
häusers „Und im Genuß nur kenn' ich Liebe“ frühe und späte
Weiten seiner Kunst.
Man begreift da, wie sehr erst Dichter, die der Zeit nur
einfach eingeschrieben waren, das sexuelle Thema behandeln
mußten. Von der Sinnlichkeit Hamerlings oder Wilbrandts
soll dabei noch nicht einmal die Rede sein. Am charakteristischsten
ist der um vieles ruhigere Heyse. Denn bei ihm tritt die Frei—
heit geschlechtlichen Gebarens grundsätzlich unter die weitere
Perspektive eines extremen rationalistischen Subjektivismus über—
haupt. Heyse kennt den modernen Staat wie irgendeinen Staat
überhaupt nicht; an dessen Stelle steht ihm eine völlig freie
Bühne für das Ausleben der einzelnen Persönlichkeit, deren
Grenzen höchstens gegen den Horizont des eigenen Gewissens als
höchster Instanz hin verschwimmen. So müßten seine Gestalten
eigentlich Revolutionäre sein, falls sie von dem heiligen Eifer
etwa des Dranges zur Einführung höheren menschlichen Daseins
getrieben würden. Aber da ist nun eben bezeichnend, daß sie
das nicht sind. Sie sind „Kinder der Welt“, Aristokraten eines
Schönheitslebens, das schließlich seine höchsten Werte doch nur
in der Freude am bloßen Dasein und nicht selten eben an den
natürlichsten Funktionen dieses Daseins findet. War nun zu
bermeiden, daß sich im Bereiche eines solchen Denkens und einer
solchen Kultur auch die Begriffe von Familie und Ehe, und
damit die Bedingungen des Zellenlebens gleichsam der nationalen
Gesellschaft wenigstens in gewissen Teilen ihres oberen Ausbaus
verschoben? Bereits die Romantik und selbst schon die früheren
Stadien des Subjektivismus hatten der Frau eine andere
Stellung angewiesen, als sie früher gehabt hatte: sie war
zum ersten Male sozusagen rein als Mensch betrachtet worden;
und sie war deshalb vor allem auf den Gebieten, auf denen
diese Zeiten schöpferisch tätig waren, auch in steigendem Maße
produktiv aufgetreten, in der Kunst und in der Literatur, vor
allem in der Dichtung!: bis ungefähr dieselben Jahrzehnte die

1Bgl. Bd. VIII, l, S. 291 f.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 1.