IV.

Dunkel ist das Bild, mit dem wir uns am Schlusse des
borigen Kapitels von den Ausgangspforten der ersten sub—
jektivistischen Periode verabschiedet haben. Sehr natürlich. Ver—
fall ist Herbst; Menschen und Ereignisse gilben; und bei allem
freundlichen Zwischenblicken der Sonne durch Nebelmassen bleibt
Melancholie die herrschende Stimmung.
Doch die Sonne wird bald wieder dem vollen Werden eines
neuen Frühlings scheinen; und eben schon im Verfall mensch—
licher Dinge pflegen die Umrisse neuen, höheren Daseins zu
erwachsen.
So ist das Gemälde der fünfziger bis siebziger Jahre,
das bisher gezeigt wurde, einseitig gewesen. Es hat nur die
rückwärts gewendeten Seiten der Entwicklung abgespiegelt. Da—
neben aber sproßte schon üppig in Dichten und Denken, in
Anschauen und Darstellen die Saat des Neuen: Keller, Lud⸗
wig, Hebbel; Lotze, Hartmann, Wundt; Feuerbach, Böcklin,
Marses; Liszt, Wagner, Cornelius: und nur das ist bezeichnend,
daß dies Neue, je zukunftsreicher es war, um so weniger an—
erkannt oder verehrt wurde. Es war wie bei einem Nebelbild
der Camora obscura: während die alte Darstellung verschwindet,
erscheint schon die neue; aber der Blick ist zunächst noch durch
die Konturen des Schwindenden gefesselt, und das Vergehende
hat noch zu einem letzten Male recht.
Auf einem Gebiete aber griff das Neue in den fünfziger
bis siebziger Jahren doch schon so entscheidend in die damalige
Gegenwart ein, daß es auch innerhalb der hier gezogenen
Grenzen der Darstellung schon einer, wenn auch kurzen Be—
obachtung bedarf.