328 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

der Brennerei zur Alkoholbereitung und der Fabrikation des
Zuckers: Gewerben, denen in freierem und oft ganz los—
gelöstem Zusammenhange auch das Müllergewerbe zu folgen
begann!.
Hätte man nun nicht glauben sollen, daß eine so bedeutende
wirtschaftliche Umbildung auch stark führend in die Allgemein⸗—
geschichte der Nation eingreifen würde? Gewiß ist sie auch
volitisch von hoher Bedeutung gewesen; sie war der Nährboden
einer Gestalt wie Bismarck; und noch sind die agrarischen Ein—
flüsse besonders der Junker und auch eines Teiles des hohen
Adels in Leben und Politik selbst der jüngsten Gegenwart
keineswegs ausgeschaltet. Gleichwohl wurden sie, eins ins andere
gerechnet, schon in den fünfziger Jahren von den bürgerlichen
Einwirkungen übertrumpft.
In den ersten Zeiten des 19. Jahrhunderts war die adlige
und noch mehr die fürstliche Lebenshaltung von der bürger—
lichen noch sehr getrennt gewesen und hatte ihr zugleich noch
in manchem Betracht als Vorbild gedient?. Jetzt änderte
sich dieser Zusammenhang. Immer mehr wirkten die großen
Errungenschaften der bürgerlichen Geisteskultur der ersten sub—
jektivistischen Periode ein: selbst das Königtum erhielt sozial
bürgerlichen Anstrich; so schon unter Friedrich Wilhelm III.;
Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Ludwig J. von Bayern
gar sind erst recht in mehr als einer Hinsicht bürgerlich lebende
Herrscher gewesen. Noch mehr aber beeinflußte das Bürgertum
den Adel. Schon früh hatte man in verständigen Geschlechtern
einzusehen begonnen, daß Geburt allein künftighin nicht mehr
lüberwiegenden Einfluß im Staate vermitteln werde. Und so

Dampfmühlen in Preußen 18373 27 mit 64 Gängen,
1846: 115, 303 ,
1852: 339, 604,
1861: 664 ,1727
Trotzdem halten sich die kleinen Mühlen noch; die großen arbeiten viel—
fach auf den Export. In Preußen waren 1861 von allen Wassermühlen
noch 880/0 ländliche Mühlen. Vgl. Schmoller, Kleingewerbe S. 398.
2 S. dazu unten S. 852f.