334 — Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

Literaten und Dichtern begegnete als bei den Angehörigen des
Standes selbst. Die Teilnahme der Politiker ist bekannt; man
weiß, wie sie, die Bourgeois, in den fünfziger und sechziger
Jahren das sozialdemokratische Programm geschaffen haben.
Aber zeitlich noch viel weiter ging auf deutschem Boden die
Sympathie der Poeten und Romanschreiber zurück; und nicht
erst die siebziger und achtziger Jahre haben in ihnen Empfindungen
gleich denen Oswalds ausgelöst:
Maschinenlärm ... einförmig dumpfes Dröhnen,
Dabei die Habgier träumt, die dunkle Pein,
Das Ohr geneigt dem immer einen Tönen:
Gold — und die große, weite Welt ist mein!

Schon die spätere Romantik, z. B. Chamisso, kannte ein
tiefes Mitleid mit den Armen, den niederen Kreisen überhaupt;
und man kann diese Sympathie immerhin als allgemeine seelische
Grundlage für viel konkretere Stimmungen auffassen, die dann in
den dreißiger Jahren auftauchten. So zeigte z. B. der Düssel⸗
dorfer Immermann in den „Epigonen“ (1836) bereits eine
ganz bestimmte Opposition gegen den Industrialismus: er haßt
die Fabriken, und er weissagt eine Zeit, da der Pflug wieder
über ihre Stätten gehen wird. Dabei war freilich der soziale
Gegensatz, von dem er ausging, noch nicht der von Arbeitgeber
und Arbeitnehmer, sondern sehr bezeichnend der des industriellen
Arbeitgebers, des neuen Adels, zu dem alten, der agrarischen
Aristokratie: wie in noch viel späterer Zeit Auerbach im
„Landhaus am Rhein“ (1869) Humanität und Industrialismus
gegenübergestellt hat. Allein daneben begann doch auch schon
früh, am ehesten wohl bei den Jungdeutschen, die Teilnahme
speziell für den Arbeiter des vierten Standes; und schon in
den vierziger und fünfziger Jahren findet sich sein Los in den
düstersten Farben geschildert. So läßt sich in dem Romane
von Prutz „Engelchen“ (1851) ein Fabrikant in einem blühenden
Weberdorfe nieder und macht aus seinen freien Arbeitern
Fabrikarbeiter, Sklaven des Brotherren. Und nun zieht
Unsittlichkeit und Trunk und Verbrechen in diesen Kreis ein;
und bei den Besseren entwickelt sich der grimmigste Haß gegen