Voller Realismus.

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das Repräsentative verschwindet, das Intime bleibt oder nimmt
zu; und auch Haus und Wohnung bringen das zum Ausdruck.
Um da nur auf den Geschmack der Zeit in Kunst und Kunst—
gewerbe zu kommen, den uns der ,Biedermeierstil“ der Gegen⸗
wart in manchem wieder nahe gebracht hat, so verschwinden
an den Wänden der Zimmer die Olgemälde des 18. Jahrhunderts
mit den prunkenden Goldrahmen und bedecken statt dessen Litho⸗
graphien oder Kupferstiche in billiger Einrahmung eine einfache
Tapete, so findet sich auch wenig mehr von dem alten Stolze auf
den Hausrat der Ahnen: Familienreliquien werden verschleudert,
Bildnisse mißachtet, Möbel vernichtet; man will sozusagen auf
sich stehen, ja man verschmäht als physische Person sozusagen auch
sich selbst. So geht denn die Bildniskunst, deren Pflege selbst—
bewußte Geschlechter verlangt hatten, zurück; man begnügt sich
mit Lithographien!; und die neu aufkommende Daguerreotypie
findet trotz ihrer anfangs wenig erfreulichen Leistungen bald
stärkeren Anklang.
Konnte bei alledem das Leben mehr als einen resigniert
freudigen Ton haben? Von der Vergangenheit wurde es durch
die Erscheinung geschieden, daß die unteren Altersklassen bei
abnehmender ehelicher Fruchtbarkeit geringer vertreten waren,
um einiges mehr als früher fehlte das fröhliche Lachen der
Kinder; die Gegenwart war durch eine getragene Haltung der
Erwachsenen bezeichnet, die manch einen, der vom platten Lande
hinzuzog, an Kunstfabrikate erinnerte und, soweit die Frauen
in Betracht kamen, dem Thüringer Ludwig, einem der
objektivsten Schilderer der Zeit, den Seufzer entlockte: „Die
Weiber in Eisfeld und Leipzig sind wie eine Wiese und ein
Herbarium.“
Doch verlief in dieser Zeit schon das Leben wenigstens der
Männer der höheren bürgerlichen Gesellschaft nur zum Teil
noch im Hause. Bereits die zwanziger und dreißiger Jahre
waren die Zeiten einer ersten Begründung von Klubs und Ver—
einen gewesen, und neben der Pflege einer wesentlich männlichen

Vgl. schon oben S. 209.