358 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

stimmen, ja er würde ihr zujubeln, denn er liebte den Kult
der Macht. Und gaben ihm nicht sehr realistische Anfänge
einer künftigen Einheit und Freiheit, die sich längst bewährt
hatten, ein Recht, auch mitzuraten und mitzutaten? Drängte
nicht der Zollverein von der wirtschaftlichen zur politischen
Einheit? Lagen nicht die Forderungen einer gemeinsamen
Münze, eines gemeinsamen kaufmännischen und bürgerlichen
Rechtes, einer gemeinsamen Gerichtsverfassung: kurz eines
gemeinsamen Reiches bei steigender Expansion der Unternehmer⸗
wirtschaft in der Luft? Und sicherte nicht der Fortschritt des
neuen Wirtschaftslebens mit seinem Ergebnis zunehmenden
Nationalreichtums dem entschlossenen Politiker erst dasjenige
Wachstum der Bevölkerung zu, das die Nation einmal be—
fähigen konnte, wiederum ein Rolle zu spielen unter den Völkern
der Welt? Wohin eine künftige Machtpolitik der Einheit auch
prüfende Ausschau halten mochte: überall wieder sah sie sich
auf die Bundesgenossenschaft der neuen bürgerlichen Entwicklung
angewiesen.
Und wenn sie für die Verwirklichung eines einheitlichen
Staatsideals festhielt an dem innersten Sinne des Programms
bon 1848 und damit an einer rationalistisch-liberalen Grund—
lage des Staatswesens freilich noch teilweise im Sinne des
18. Jahrhunderts und gewiß im Sinne der ersten Periode des
deutschen Subjektivismus, wie er sich nun einmal gestaltet
hatte: konnte sie dann nicht wiederum auf den neuen Stand als
feste Stütze rechnen? Das Wirtschaftsleben der Unternehmung
war auf den Freiheiten der staatlichen Reform aus dem Beginn
des Jahrhunderts erwachsen, wie es auf den Freiheiten von
1848 weiter emporblühte: ohne sie war es nicht denkbar; und
wie der vierte Stand, der Stand der Arbeitnehmer, auf dieser
Basis radikal und demokratisch-revolutionär geworden ist, so
wurde der Stand der arbeitgebenden Unternehmer auf der
gleichen Grundlage gemäßigt und darum national und liberal—
rationalistisch.
Dabei war es gewiß noch ein besonderes Glück, daß sich
der alte führende Stand der bürgerlich Gebildeten vor diesen