III. Die Lage der Tessiner Landwirtschaft.
Ueber die Lage der Tessiner Landwirtschaft ist von berufener,
leider aber auch von wenig oder nicht berufener Seite in den letzten
Jahren und Monaten in der Tages-, zum Teil auch in der Fach—
presse und in verschiedenen Publikationen schon wiederholt berichtet
worden. Auch die „Neuen Tessiner Begehren“ des Staatsrates vom
5. Dezember 1938 enthalten einige Hinweise auf die im allgemeinen
ungünstige Situation der Tessiner Landwirtschaft. Dieser Eindruck
wurde an der Konferenz vom 3./4. August durch ein einleitendes
Referat von Herrn Staffieri bestätigt.
Um sich in vollem Maße Rechenschaft zu geben über die Lage
der Tessiner Landwirtschaft, müssen alle erhältlichen Daten in syste⸗
matischer Weise zusammengetragen und verarbeitet werden. Ohne
Anspruch auf Vollständigkeit der Ausführungen zu erheben, möchten
wir aus dem uns zur Verfügung stehenden Unterlagenmaterial
namentlich folgende Tatsachen herausstellen:
Die tesfinische Landwirtschaft scheint besonders im untern Kan—
tonsteil durch das insubrische Klima begünstigt. Dieses ist
gekennzeichnet durch hohe mittlere Temperatur, zahlreiche
warme Tage, verhältnismäßig warme Winter, geringe Zahl
der Frosttage, reichliche Niederschläge namentlich im Sommer
und Herbst bei geringer Zahl der Regentage, hohe Luftfeuchtig⸗
keit, intensive Besonnung. Die Bodenverhältnisse sind unein⸗
heitlich, für den Pflanzenbau jedoch im allgemeinen günstig.
Sehr nachteilig wirkt dagegen die starke Durchtalung des ganzen
Kantons, namentlich des nördlichen Teiles, die hauptsächlich
im Zusammenhang mit den großen Niederschlägen häufig zu
Zerstörungen des Kulturlandes in Form von Felsstürzen, Rut⸗
schungen, Ueberschwemmungen usw. führt.
Der Kanton Tessin ist gekennzeichnet durch eine große 3 ahl
von meist stark parzellierten, kleinen land—
wirtschaftlichen Betrieben. Nach der eidgenössischen
Betriebszählung von 1929 besaß der Kanton 14 792 Landwirt⸗
schaftsbetriebe mit 30488 beschäftigten Personen. Dabei ist,
nach den Viehzählungsergebnissen zu schließen, die Zahl der
Betriebe von 1900 1831 offensichtlich zurückgegangen, in ein⸗
zelnen Bezirken (Livinental, Bedretto) über 303.

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