172 "Allgemeine Finanzverwaltung. a

des 19. Jahrhunderts betrugen (S. 80 a. a. 0.) und zwar vor dem Tilsiter Frieden die Beineinnahmen
 der Domänen 7,466 Mill. Thlr., der Forsten 1,233 Mill, zusammen 8,699 Mill,
der Salzregie 9,500 Mill Dagegen brachte die Kontribution 5,615 Mill. Thlr., die Accise
and Zoll 9,500 Mill. Thlr. auf, Die Gesammteinnahmen betrugen. 31—33 Mill. Thlr.
Nach dem Tilsiter Frieden sanken die Reibeinnahmen natürlich schon in Folge der Verminderung
 des Länderbestandes sehr. Sie betrugen 1812: 17,18” Mill. Thlr. (davon 4,360 Mill.
Domänen und Forsten, Salzregie 1,678 Mill, Kontribution und Grundsteuer 2,984 Mill,
Aceise und Landkonsumtionssteuer 6,020 Mill. Stempel- und Gewerbesteuer 1,382 Mill.)
$ 174. Für die politische Fortentwickelung war dieser verhältnissmässig
 grosse Besitz werbenden Vermögens mit sicheren und stetigen
Einkünften von grösster Bedeutung. Gewiss ist, dass Friedrich der
Grosse, wenn er nicht von seinen Vorgängern eine so wohlgeordnete
Domänenverwaltung übernommen hätte, kaum die kostspieligen, Preussen
zur Grossmacht erhebenden Kriege hätte führen können, gewiss, dass
der preussische Staat von 1806—1815 die harte Zeit erheblich viel
schwerer!) ertragen haben würde, dass die Neuordnung seiner Finanzen
und insbesondere seines Schuldenwesens (1815—1820) nicht entfernt
so glatt vor sich gegangen wäre, wenn der Staat nicht über einen verhältnissmässig
 so bedeutenden und ergiebigen Domänenbesitz verügt
 hätte. .
Wenn daneben auch noch die Steuerschraube von dem Grossen
Kurfürsten und Friedrich dem Grossen immerhin für jene Zeit scharf
30nug angespannt wurde (Kontribution auf dem platten Lande, Accise
ınd Regie in den Städten), so war auch dies auf eine wohlerwogene,
weitsichtige Finanzpolitik zurückzuführen. Denn dadurch eben wurde
% diesen Fürsten möglich, ihre Kriege, Macht- und Gebietserweiterungen
durchzuführen, ohne den Staat zugleich in grosse Schuldenlasten
 zu stürzen, die für ein von der Natur wenig begünstigtes
Land wie Preussen leicht verhängnissvoll hätten werden können.
Nur durch eine so umsichtige und sparsame Finanzverwaltung war
as möglich, dass der Grosse Kurfürst trotz seiner vielen Kriege, trotz
der Schaffung eines ständigen Heeres von 30 000 Mann, die Staats-3innahmen
 von 440 000 Thlr. auf 3289 000 Thlr., also auf mehr als das
siebenfache zu steigern vermochte,?) sowie dass Friedrich der Grosse,
wiewohl für Militärzwecke in den Jahren 1756 —1763 über 99 Mil. Thlr.
verbraucht waren, beim Friedensschluss noch über Bestände von
30 Mill. Thlr. verfügte und 1786 bei seinem Ableben noch einen
Staatsschatz von 55,2 Mill. Thlr. hinterlassen konnte.?)
$ 174a, In Folge der Napoleonischen Kriege änderte sich das
zünstige Bild des preussischen Finanzwesens leider sehr zu seinem
Nachtheil. Die Einnahmen sanken, die Schulden stiegen in Folge der

') Vgl. Breysig im Schmoller’schen Jahrbuch 1892 8. 522 (Brandenb. Staatshaushalt in
ler zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts) u. A.
?) Breysig a. a. 0.48. 520. ;
3) Richter a.’a. 0. 8. 14