Fünfter Abschnitt. Rückblick und Gesammtergebniss, $$ 194, 195. 195

52,8 Mill. M. Dazu kommt, dass die Rechnung von dem Voranschlag
oft sehr erheblich abweicht, z. B. von 1901 um 48,7 Mill. M. (1895/96
sogar um 68 Mill. M.). Die Unsicherheit, welche dadurch in den Etat
yetragen wird, liegt auf der Hand.
8 195, Verschärft wird dieser Nachtheil durch die finanziellen
Verhältnisse oder vielmehr Missverhältnisse zwischen Einzelstaaten
ınd Reich. Aus Spalte 11 der Generaltabelle geht die Unberechenbarkeit
 der Ansprüche des Reichs an die Einzelstaaten hervor. Solange
 eine feste finanzielle Scheidung zwischen Reich und Einzelstaaten
 bezw. die finanzielle Selbständigmachung des Reichs nicht
stattfindet. werden die aus der Unsicherheit dieser Finanzbeziehungen
folgenden nachtheiligen Rückwirkungen auch auf den preussischen
Etat nicht zu verhindern sein.
Nach der Natur ihrer Ursachen bewegen sich nun aber die
Schwankungen in den Einnahmen des preussischen Staats mit denen
im Reich in ganz ähnlicher Richtung. Die Einnahmen der Kisenbahnen,
 der Bergwerksverwaltung, der Forsten und Domänen, der indirekten
 Steuern, ja selbst der direkten Steuern, nachdem die festen
Realsteuern der viel beweglicheren Einkommen- und Vermögenssteuer
yewichen sind, hängen ebenso wie diejenigen aus Zöllen, Verbrauchsund
 Stempelabgaben von dem wechselnden Stande des Erwerbs- und
Wirthschaftslebens ab. Zur Zeit wirthschaftlicher und politischer
Krisen können für den Staat bedenkliche Folgen hieraus entstehen.
Denn der Ausgabebedarf wird dann nur eine beschränkte Verminderung
 gestatten, während die Einnahmen in solchen Zeitläuften plötzich
 enorme Ausfälle zeigen werden.
Der plötzliche wirthschaftliche Rückgang der letzten Jahre hat
ain lehrreiches Beispiel für obige Ausführungen gegeben.
Während die Ueberschüsse der Betriebsverwaltungen (Sp. 6d) noch
von 1898/99 auf 1899 um 59,5 Mill. M. stiegen (von 551,7 auf 611,2 Mill. M.),
sanken sie in den Jahren 1900 und 1901 um zusammen 88,4 Mill. M.,
1902 weiter um 1,6 Mill. M. und konnten für 1908 nur auf 486,2 Mill. M.
veranschlagt werden,') was gegen die Rechnung von 1899 ein Minus
von nicht weniger als 125 Mill. M. = rund 20,5 Proz. bedeutet.
Es bedurfte einer ganzen Reihe von andern günstigen Momenten,
um gegenüber dem steigenden Ausgabebedarf zu ermöglichen, dass
die Etats von 1901 und 1902 balanzirten und bei dem Etat für 1908
sine Defizitanleihe von rund 70 Mill. M.2) zur Herstellung des Gleichyewichts
 in dem Staatshaushalt genügen konnte.
Einmal kam nämlich in Betracht, dass die Veranlagung der Einkommensteuer
 nach dem dreijährigen Durchschnitte einen Ausgleich

. 1) Die Besserung in den wirthschaftlichen Verhältnissen scheint glücklicherweise den
Voranschlag für zu ungünstig erweisen zu wollen,
2) Sp. 11b1 der Anl. XIV.