202 Allgemeine Finanzverwaltung.

Viertel aller Staatseinnahmen, heute sind sie auf 2—3 Prozent der
Gesammterträge der Ueberschussverwaltungen herabgegangen.
Wenn ihre Einnahmen auch im Allgemeinen den Vortheil der
Stetigkeit haben, so würde bei dem verhältnissmässig geringen Ertrage
 die Veräusserung der Domänen doch von schwertragender Bedeutung
 für den ordentlichen Staatseinnahmeetat kaum sein. Selbst
der in dem Domanialbesitz steckende Kapitalwerth würde für Zeiten
unglücklicher Kriege heute, wo die gesammte wirthschaftliche Lebenskraft
 eines Volkes für Staatsgläubiger von ganz anderer Bedeutung
ist, als der Besitz selbst erheblichen, indessen doch nur mässig
rentirenden Grundbesitzes, nicht mehr entfernt die Bedeutung haben,
als dies zur Zeit der Freiheitskriege der Fall war.
Wenn gleichwohl auch heute der Veräusserung unserer Staatslomänen
 nicht das Wort zu reden ist, so ist ausser den in Bd. I Buch I
$ 14 bereits betonten Gründen vor Allem für uns der Gesichtspunkt
antscheidend, dass durch die Forterhaltung des Domänenbesitzes die
Möglichkeit erhalten wird, wenn sich die Nothwendigkeit dazu erweisen
 sollte, in grösserem Massstabe mit der Auftheilung grösserer
Domänenkomplexe zu Gunsten einer Vermehrung und Stärkung des
Kleingrundbesitzes überzugehen.
$ 200, Kine für die Staatsfinanzen weit bedeutungsvollere Entwicklung,
 wie die Domänen, hat der staatliche Forstbesitz genommen.
Im Anfang des 19. Jahrhunderts (1821) betrug der Reinertrag aus
Forsten nur 3,7 Mill. M. gegen 22,3 Mill. M. aus den Domänen,') 1849
vereits 7,3 Mill, M. (s. Anl. XIII), 1869 18,4 Mill. M. (s. Anl. XIV),
nach der Rechnung von 1900 dagegen schon fast 50 Mill. M. und auch
für 1908 konnte er noch mit 42,1 Mill. M. veranschlagt werden. Schon
liese Entwicklungszahlen, wie auch der Umstand, dass die verhältnissnässig
 hohen Transportkosten ein übermässiges Holzangebot vom
Auslande in ähnlicher Weise wie dies bei dem Getreide der Fall gewesen
 ist und noch ist, kaum jemals befürchten lassen, deuten darauf
hin, dass die stetige Steigerung der Reinerträge der Forsten, wie sie
die bisherigen Erfahrungen ergeben haben, auch für die Zukunft andauern,
 eher sich noch vermehren wird. Wenn auch gegenwärtig nicht
anbeträchtliche Mengen Holz vom Ausland eingeführt werden, so liegt
darin für die Rentabilität unserer Staatslasten umsoweniger eine
Gefahr, als der Gesammtbedarf an Hölzern in Deutschland aus einheimischen
 Wäldern nicht voll gedeckt werden kann.
Aber auch ganz abgesehen von diesen finanziellen Erwägungen,
ist die allgemeine, land- und volkswirthschaftliche, klimatische, ethische
und sanitäre Bedeutung grösserer Waldkomplexe in der Hand des
Staates eine so grosse, dass die Erhaltung und Pflege derselben nach

') v, Reden a. a. 0. S. 80.