Fünfter Abschnitt. Rückblick und Gesammtergebniss. $ 203. 905

Betrage von rund 102 Mill. M.') zu Gunsten der Gemeinden verzichtet,
 und demgegenüber einen Ersatz nur in einer Ergänzungsbesteuerung
 des fundirten Besitzes in runder Höhe von 35 Mill, in
der Aufhebung der lex Huene in Höhe von 24 Mill. M., sowie in rund
3 Mill. Wegfall von bisher an die Gemeinden bezahlten Hebungs- ete.
Gebühren, also zusammen 62 Mill. M. erhalten, während alles sonstige
Mehr hauptsächlich der inneren Verbesserung der Einkommensteuer
 und nur zu sehr geringem Theil der Erhöhung von Steuersätzen
 zu Gute zu halten ist.
In der That hat die gegenwärtige Einkommensteuer bisher eine
ausserordentlich viel grössere Steigerungsfähigkeit und eine grössere
Anpassungsfähigkeit an die Bewegungen des Wirthschaftslebens wie
die alte Klassen- und klassifizirte Einkommensteuer erwiesen.
Unter der Herrschaft der früheren Steuer stieg die Einnahme nach
der Rechnung von 1884/85 (also nach Erlass der Gesetze wegen Aufhebung
 bestimmter Steuerraten) von 58,53 M. bis 1891/92 nur auf
76,6 Mill. M., obgleich recht gute Wirthschaftsjahre in diese Zeit
fielen, also um 18,3 Mill. M., per Jahr um 3 Mill. M. Seit 1892/98 bis
L901 steigerte sich dagegen die Roheinnahme aus der Einkommensteuer
 nach der Rechnung von 121,3 Mill. M. auf 184,3 Mill. M. oder
um 63 Mill. M., d. i. pro Jahr um rund 7 Mill. M. Dabei ist aber zu
bemerken, dass in Folge der ungünstigen Wirthschaftsjahre zu Anfang
der 90er Jahre die Einkommensteuererträge?) zunächst von 1892/98
bis 1894/95 auf 120,9 Mill. M. zurückgingen und erst von da ab, der
Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse entsprechend, stiegen,
sodass sich von 1894/95 — 1901 sogar eine durchschnittliche Vermehrung
der Roheinnahme um jährlich rund 9 Mill. M. ergeben würde.
Jedenfalls lassen diese Zahlen deutlich ersehen, welche Bedeutung
die Einkommensteuer für den preussischen Etat durch die Miquelsche
Reform gewonnen hat. Sie bildet mit den Eisenbahnüberschüssen die
piece de resistance unserer Finanzen. Sie wird sogar im Hinblick auf
die grössere Gleichmässigkeit ihrer Entwickelung, und doch gleichwohl
ihrer Anpassungsfähigkeit an die wirthschaftliche Gesammtlage, und
bei ihrer grossen dauernden Steigerungsfähigkeit mit der Zeit die Bedeutung
 der Eisenbahnüberschüsse überflügeln und sich immer mehr
zum eigentlichen Rückgrat unserer Staatsfinanzen ausbilden. Nach
dem Nettovoranschlag für 1903 fungiren die staatlichen Personalsteuern
 (Einkommensteuer einschl. der seit 1894/95 wesentlich gleichgebliebenen
 Ergänzungssteuer) bereits mit 198,3 Mill. M. Reinerträgen,
die freien Eisenbahnübersehüsse nur noch mit 110,1 Mill. Wenn
sich das Bild bei einer nicht unwahrscheinlichen Besserung der wirthschaftlichen
 Verhältnisse auch in den nächsten Jahren vielleicht wieder

‘) Heute ergiebt die vom Staate weiter erfolgende Veranlagung weit höhere Ziffern,
;) Anl. LXVIUL in Bd. I Buch VII.