TIL Abschnitt. Gewerbliches u. Kaufmännisches Unterrichtswesen, $ 65. 1065
Was die niederen Schulen anbetrifft, so haben die landwirthschaftlichen
 Winterschulen wie die ländlichen Fortbildungsschulen
einen allgemeinen Charakter; doch giebt es auch eine grosse
Anzahl niederer Spezialfachschulen (Garten-, Wiesenbau-, Molkerei-,
Forst-, Haushaltungs-, Imker-, Brennereischulen u. s. w.). Die gew erblichen
 niederen Schulen sind zum Theil Spezialfachschulen (z. B.
niedere Textil- und Maschinenbauschulen u. s. W.) zum Theil bilden
sie allgemein im Deutsch, Zeichnen und Rechnen aus (sog. gewerbliche
 und kaufmännische Fortbildungs- und Fachschulen).
Ein weiterer Unterschied zwischen dem Jandwirthschaftlichen und
gewerblichen mittleren und niederen Schulwesen findet sich hinsichtlich
 der Kostenaufbringung vor.
Auf dem Gebiete der Landwirthschaft hat 1875 eine Ueberweisung
 des niederen Schulwesens an die Provinzen stattgefunden.
Der Staat hat sich dagegen das mittlere Schulwesen vorbehalten, aber
auch dieses zumeist an die Kreise, Städte und Vereine, wenn
auch unter erheblicher Kostenbetheiligung, übertragen (8 289 a. a. O.);
andererseits giebt er auch zu dem niederen Schulwesen gewisse Beiträge
 (8 244, 245 a. a. O.).
Bei dem gewerblichen Unterrichtswesen hat der Staat, seit Mitte
der 80er Jahre in weit stärkerem Masse wie bisher die Sorge für das
gewerbliche Unterrichtswesen auf seine Schultern genommen‘).
Die mittleren gewerblichen Fachschulen werden, soweit der Staat
die Anstalten gemeinsam mit Gemeinden und Vereinen unterhält,
durchschnittlich mit der Hälfte unterstützt, befinden sich aber zum
grossen Theile (Baugewerk-, Maschinenbauschulen u. s. w.) Sogar
direkt in seinen Händen. Auch bei dem niederen Fachschulwesen
nimmt die Staatsbetheiligung von Jahr zu Jahr zu.
Stellt man die Zahlen der Staatsausgaben für landwirthschaftliches
und gewerbliches Schulwesen von 1885/86?) und 1901 (unter Ausscheidung
 der Ausgaben für Jandwirthschaftliche und technische Hochschulen,
 welche letztere nicht auf dem Handels-, sondern dem Kultusetat
 stehen) gegenüber, so ergiebt sich folgendes Bild:
Landwirthschaftliche‘ Schulen a
Proskau, Potsdam, Geisenheim, Engers?) 101 000
Landwirthschaftliche Mittelschulen .... 267300
ländl. Fortbildungsschulen
Dispositionsfonds (Kap. 102 Tit 16 d. Etats) 237 800
Summe 606 100
Gewerbliche Schulen
Kap. 69 d. Etats .....0.000000000 1.036 676
1) woneben allerdings auch die kommunale Betheiligung fortwährend in erheblichem
Steigen begriffen ist.
2) In diesem Jahre wurde das gewerbliche Schulwesen vom Kultusministerium an ‚das
Handelsministerium übertragen ($ 66 a. E.).
3) Bd, II Buch II Anl. S. 183, 185.

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