1066 Dritter Hauptabschnitt. Laufende Ausgaben d. Handels- u. Gewerbeverwaltung.
2. Entwickelung des mittleren und niederen gewerblichen Unterrichts- und
Handelswesens seit Beginn des 19. Jahrhunderts,
$ 66, Als der eigentliche Schöpfer des preussischen gewerblichen
Unterrichtswesens ist Beuth anzusehen, welcher 1820 den Plan einer
Handwerksschule entwarf, die aus nur einer Klasse mit einjährigem
Kursus bestand. Es war dabei vorbehalten, in einzelnen grösseren Städten
eine zweite höhere Klasse hinzuzufügen. Dies letztere geschah thatsächlich
 in Berlin, wo am 1. Nov. 1821 unter Beuths Direktion eine 2klassige
Anstalt eröffnet wurde. (Technisches Institut, seit 1827: Gewerbeinstitut,
 später Gewerbeakademie und danach Theil der technischen
Hochschule.)

Die Entwickelung des gewerblichen und technischen Hochschulwesens, welches
auf dem Etat des Kultusministeriums geführt wird, hat schon an jener Stelle ihre Erörterung
gefunden (Bd. II Buch I $ 171 ff), muss also hier als bekannt vorausgesetzt werden.

Die in den Provinzen als Provinzial-Gewerbeschulen ins Leben
gerufenen Handwerkerschulen standen der unteren Klasse jenes Instituts
gleich und lieferten ihre besten Schüler, die eine weitere Ausbildung
begehrten, in jene obere Centralklasse, ein Uebergang, der durch
reichliche, dem technischen Institut verliehene Stipendien unterstützt
wurde.
Provinzial-Gewerbeschulen bestehen in der alten Form
heute nicht mehr. Im Jahre 1849 gab es deren 19 (Gumbinnen,
Königsberg, Danzig, Graudenz, Oppeln, Liegnitz, Stralsund, Stettin,
Potsdam, Naumburg, Erfurt, Halberstadt, Bielefeld, Hagen, Münster,
Elberfeld, Cöln, Aachen, Trier). Dieselben wurden ganz aus
Staatsmitteln unterhalten. Die Lehrer waren auf Kündigung
angenommen und versahen den Unterricht gegen Remuneration und
nur als Nebenbeschäftigung.
Eine Reorganisation fand unter dem Minister v. d. Heydt unterm
5. Juni 1850 statt. Er bildete die Schulen aus blossen Vorbereitungsanstalten
 für das Gewerbeinstitut dahin aus, dass sie einmal den Bauhandwerkern
 (Maurer-, Zimmermeistern, Mühlenbauern u.s. w.) die
Vorkenntnisse, wie sie bei der Ablegung der Meisterprüfung gefordert
wurden, gaben, andererseits auch andern Klassen von Gewerbetreibenden,
die, ohne einer höheren technischen Ausbildung zu bedürfen, doch einer
praktischen Unterweisung in den mechanischen und chemischen Wissenschaften
 nicht mehr entbehren konnten, eine solche zu bieten vermochten.
(Mechaniker, Maschinenbauer, Gold- und Silberarbeiter, Färber u. s. w.)
Die Schulen hatten nunmehr einen doppelten Zweck. Sie waren einmal
 Vorschulen für das Gewerbeinstitut und vermittelten andererseits
eine selbstständige Ausbildung von Kleingewerbetreibenden. Es
wurden überall 2 Klassen, eine theoretische und eine praktische, sowie
meist auch 1 Vorbereitungsklasse eingerichtet und Lehrer im Hauptamt
 angestellt. Gleichzeitig wurden aber die Städte an den Kosten