UN Abschnitt. Gewerbliches u. Kaufmännisches Unterrichtswesen, $ 66. 1067

(zur Hälfte) mit betheiligt, insbesondere um eine regere Aufmerksamkeit
der städtischen Behörden auf die Institute zu lenken. Im Jahre 1855
bestanden 22 derartige provinziale Gewerbeschulen mit 1080 Schülern.
Am Ende des Jahres 1857 25 Schulen mit 1376 Schülern. Seitdem
ging die Zahl der Frequenz wieder zurück. Am Schlusse des Jahres
1860 waren in 25 Anstalten 1240 Schüler, Ende 1863 in 26 Anstalten
nur noch 1134 Schüler, Ende 1868 nur noch 1107 Schüler, 1869 1167
Schüler. Die finanziellen Ausgaben für die 26 Schulen betrugen 1869
im ganzen 326 108 M., wovon vom Staate aufgebracht wurden 98 153 M.,
von den Gemeinden 86 649 M., aus Schulgeld 56301 M.
In dem Rückgang der Frequenz kam zum Ausdruck, dass die
Organisation dieser Schulen den Bedürfnissen der Zeit nicht mehr
genügten. Einmal hatten sich mit den grossen Fortschritten, in den
mathematischen und Naturwissenschaften und in ihrer Anwendung
auf die gesammte Technik, die Ansprüche an die Ausbildung der
Gewerbetreibenden gesteigert, wodurch bedingt wurde, die Zielpunkte
der Gewerbeschulen weiter hinauszurücken, und ausserdem stellte sich
eine Umgestaltung als erforderlich dar, weil die Schulen als reine
Fachschulen die allgemeine Bildung zu wenig förderten und damit für
die Ausbildung der zur Gewerbeakademie übergehenden Schüler nicht
mehr ausreichten. Es wurde daher am 21. März 1870 (M.-Bl. f. d. i. V.
S. 109 ff.) ein neuer Organisationsplan aufgestellt; aber auch dadurch
gelang es nicht, die Schulen lebensfähiger zu gestalten. Es erwies
sich als unmöglich, auf derselben Anstalt 2 ganz verschiedenartige
Zwecke zu erreichen, nämlich einmal künftige Polytechniker für das
akademische Institut wissenschaftlich vorzubereiten und 2. künftige
Praktiker, welche, ohne den Besuch eines Polytechnikums, direkt aus
der Schule in das Leben treten wollten, für das Baufach, das Maschinenfach
 und die technische Chemie mit den erforderlichen positiven
Kenntnissen auszurüsten.
Ein Ministerialreskript v. 1. Nov. 1878 (a. a. O. 8.267) ordnete
daher eine Trennung der Schulen nach jenen heiden Zwecken an.
Diese Reorganisation hatte zur Folge, dass die Schule der ersteren Gruppe
allmählich zu allgemeinen. höheren Schulen (Gewerbe- und Realschulen
 mit‘ neunjährigem Lehrkursus, die heutigen Oberrealschulen)
umgebildet wurden, während die letzteren Schulen, davon ausgehend,
dass auf der Grundlage einer höheren Bürgerschule noch ein Fachkursus
 aufgebaut wurde, allmählich in sogen. höhere Fachschulen übergingen,
 welche der Ausbildung von Technikern mittleren Ranges dienen
sollten.
Solche mittlere Fachschulen, meist für maschinentechnische
Gewerbe, waren z. B. an die Oberrealschulen zu Breslau, Gleiwitz und
Brieg, sowie an die Realschulen, bezw. höheren Bürgerschulen zu
Hagen, Barmen, Cassel, Aachen und Crefeld, welche Anstalten sämmtlich.
 aus: früheren Gewerbeschulen hervorgegangen sind, angeknüpft,