UT Abschnitt Gewerbliches u. Kaufmännisches Unterrichtswesen, $S 67, 68. 1069
Zuerst in den Etat 1899 wurden daher bei Kap. 68 Tit. 9b
20000 M. eingestellt zur Anstellung dreier kommissarisch mit der
Bearbeitung der gewerblichen Schulangelegenheiten zu betrauenden,
technisch vorgebildeten Beamten an den Regieruhgen zu Potsdam,
Breslau und Düsseldorf. Der Erstgenannte hatte zugleich gegen
1200 M. Remuneration aus Kap. 69 Tit. 7 die Inspektion des Zeichenunterrichts
 an den gewerblichen Fortbildungsschulen in den Provinzen
Westfalen, Hannover und Schleswig-Holstein wahrzunehmen. Durch
den Etat 1900 wurde die Potsdamer, 1901 die Breslauer, 1902 wurden
die Stellen zu Düsseldorf und eine inzwischen in Posen eingerichtete,
zu Regierungs- und Gewerbeschulraths-Stellen umgewandelt,
wofür ein neuer Tit. 4a geschaffen wurde. Tit. 9b ist aber daneben
für weitere Ausdehnung der gewerblichen Schulaufsicht auf andere
Bezirke beibehalten worden, jetzt 3 Kommissare zu Arnsberg, Oppeln
und Cassel.
Zusammen werfen Tit.4a und 9b für 1902 22 200 + 20 000 —
42000 M. aus.
Auch die Tagegelder und Reisekosten (ä 2500 M.) werden aus den
Fonds des Handelsetats bestritten (vgl. Etat 1901 Erläuterungen zu
Kap. 68 Tit. 11).
Il. Baugewerkschulen.

Entwickelung.
8 68. Die älteste der in Preussen bestehenden Baugewerkschulen
ist diejenige zu Nienburg in der Provinz Hannover. Sie wurde noch
unter Hannöverscher Herrschaft im Jahre 1853 gegründet, um die
Lücke im technischen Unterricht. auszufüllen, welche dort zwischen
den allgemeinen Realschulen und der polytechnischen Schule zu
Hannover bestand, und war dazu bestimmt, „den Bauhandwerkern
denjenigen Grad der Ausbildung zu gewähren, welchen man zu tüchtiger
 Ausübung ihres Gewerbes verlangen musste und den die bestehenden
 Gesetze von ihnen forderten“.') Sie war als staatliche
Anstalt gegründet worden und wurde als solche von Preussen mit
übernommen und fortgeführt.
Zu dieser Schule kamen dann in Preussen im Laufe der 60er und
70er Jahre eine Reihe gleichartiger aber von den Gemeinden ausgehender
 Schul- Neugründungen hinzu. Näheres bei Simon 8. 747 ff.
Ende der 70er Jahre wandte sich der Staat in ausgedehnterem
Masse, wie bis dahin, dem Baugewerkschulwesen zu, in der Ueberzeugung,
 dass es ihm nicht gleichgiltig sein könne, ob seine Angehörigen
 in ungesunden, unzweckmässigen Wohnungen leben, und ob
grosse Kapitalien in schlecht gebauten Häusern angelegt werden. Die
statistischen Ermittelungen hatten ergeben, dass die Mehrzahl der

\ Vergl. Lehzen, Hannovers Staatshaushalt, Theil:1I S. 554.