1086 Dritter Hauptabschnitt. Laufende Ausgaben d. Handels u, Gowerbeverwaltung.
nischen und gewerblichen Schulwesens eine ' durchgreifende
Reorganisation. Die Staatsregierung liess es sich angelegen sein,
die Lehrzeit einzelner Schulen klar zu bestimmen und fest gegen einander
 abzugrenzen. Dabei wurde zwischen solchen Schulen, die vorwiegend
 zur Vorbildung von Werkmeistern, „Webeschulen“, seit
1900 Fachschulen für Textilindustrie genannt, und solchen, die auch
zur Vorbildung von Fabrikanten und höheren Betriebsbeamten
 dienen sollten „höheren Webeschulen“, seit 1900 „höhere Fachschulen
 für Textilindustrie“ genannt, unterschieden, und ferner wurde
bei den einzelnen Schulen bestimmt, dass sie vorzugsweise diejenigen
Gewebearten behandeln sollten, welche an dem betreffenden Schulorte
oder dessen nächster Umgebung vorwiegend gefertigt werden.
In gewissem Zusammenhang mit der Reorganisation im Jahre 1896 stand die Gründung
einer Lehrmittelanstalt für die Fachschulen der Textilindustrie, um die Textilschulen mit
den erforderlichen Lehrmitteln zu versehen. Der Leiter dieser Anstalt, zunächst nebenamtlich
 der Direktor der Berliner Webeschule, erhielt zugleich die regelmässige fachliche
Beaufsichtigung der Textilschulen, 1898 auch der Stickschulen in Schlesien. Im Jahre 1901
wurde diese Anstalt zu einer besonderen Behörde ausgestaltet, der „Technischen Zentralstelle
 für Textilindustrie“, welcher neben den obigen Aufgaben und der Erstattung von
Gutachten an die Centralbehörde zur Aufgabe gemacht wurde, mechanisch- und chemischtechnische
 Untersuchungen auf dem Gebiete der Textilindustrie vorzunehmen, die damit
also eine über das Schulwesen hinausragende Bedeutung gewann. (Das Nähere zu
vergl. SS 64 u. 94.)

$ 91. Neben den Fachschulen für Textilindustrie giebt es noch
in den Handweberbezirken eine Anzahl von Webereilehrwerkstätten.
 In diesen sollen nicht etwa neue Handweber angelernt
werden, sondern die Handweber, welche keinem lohnenderen Erwerbe
zugeführt werden können, weitergebildet und befähigt werden, zur
mechanischen Weberei überzugehen.
$ 91a. Zwischen den Fachschulen für Textilindustrie und den
Webereilehrwerkstätten in der Mitte stehen die Webelehranstalten
 zu Bramsche und Eupen, in welchen junge Leute, die
schon in mechanischen Webereien thätig sind, weiter gebildet werden
sollen, ohne dass sie die volle Befähigung zum Werkmeister erhalten,
verfolgen also ähnliche Ziele, wie der Sonntags- und Abendunterricht
an den Textilfachsehulen.

a) Fachschulen für Textilindustrie.
$ 92. Die Fachschulen der Textilindustrie zerfallen 1. in höhere
Fachschulen, welche sich als Ziel stecken, Fabrikanten, Fabrikdirektoren,
 Musterzeichner und Maschinenbauer für die Textilindustrie
heranzubilden; 2. Fachschulen niederer Art, welche zur Ausbildung
von Werkmeistern bestimmt sind.
In der Textilschule zu Berlin wird jungen Leuten, die in Manufakturwaarengeschäften
 thätig sind, Gelegenheit zur Erlernung
der für ihren Beruf erforderlichen textiltechnischen Kenntnisse gegeben.